Daviscup-Team: Thomas Muster - der Beginn einer neuen Ära
- Österreichs Tennis-Galionsfigur neuer Kapitän
- PLUS: Gegen USA war Österreich chancenlos (Kasten rechts)
·Daviscup USA
ÖTV-Team blieb ohne Ehrenpunkt
·Thomas Muster
Steckbrief des Daviscup-Kapitäns
·Abschied
Bresnik geht als Daviscup-Kapitän
·Dank Federer
Schweiz bereits im Viertelfinale
·Kurzporträts
Alle Spieler der USA & Österreichs
·Doppel-Titel
Schett/Schnyder siegen in Paris
·Tennis: So steht's in den Weltranglisten!
Serena Williams und
Rafael Nadal die Nr.1
Die neunjährige Amtszeit von Günter Bresnik als Kapitän des österreichischen Daviscup-Teams ist zu Ende und eine neue Ära beginnt. Thomas Muster, der 1995 bei den French Open in Paris durch einen Finalsieg über Michael Chang als erster Österreicher ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat, tritt ab sofort die Nachfolge an. Der 36-Jährige wird das ÖTV-Team erstmals im Herbst betreuen, wenn es in der Relegation vom 24. bis 26. September um den Weiterverbleib in der Weltgruppe geht.
Mit dieser "ehrenvollen, aber nicht leichten Aufgabe" beginnt für die Galionsfigur des österreichischen Tennis ein weiteres Kapitel. Der Steirer wandelt damit auf den Spuren anderer Cracks wie Boris Becker, Michael Stich, Yannick Noah, Mats Wilander etc. , die nach dem Ende ihrer aktiven Karrieren auf die Betreuer-Seite gewechselt sind. Man darf gespannt sein, was Muster in diesem Bereich bewirken kann.
Mit Gipsverband trainiert
In seiner aktiven Karriere hat der Leibnitzer ja mehrfach bewiesen, was mit unbändigem Willen und harter Arbeit zu schaffen ist. Viele Jahre lang zählte der Leibnitzer zu den besten Spielern der Welt (vor allem auf Sand) und auch gewaltige Rückschläge wie jener Ende März 1989 in Key Biscayne, als er von einem betrunkenen Autofahrer niedergefahren worden war, konnten seine Laufbahn nur unterbrechen, aber nicht beenden. Jene Bilder, als er nach der schweren Knieverletzung noch mit Gipsverband in einer Spezial-Konstruktion mit seinem langjährigen Manager Ronald Leitgeb wieder die ersten Bälle schlug, sind wohl allen Tennisfans noch in bester Erinnerung.
Grand-Slam-Titel in Paris
Und der Lohn für diese Mühe durfte sich wahrlich sehen lassen: Muster wurde die Nummer eins der Welt in einer rund um den Globus betriebenen Sportart, holte einen Grand-Slam-Titel in Paris, gewann 44 Turniere, stand mit dem Daviscup-Team im Halbfinale (im Wiener Praterstadion gab es 1990 gegen die USA eine unglückliche 2:3-Niederlage) und wurde zwei Mal zu Österreichs Sportler des Jahres (1990 und 1995) gewählt, was in der führenden Ski-Nation absoluten Seltenheitswert hat.
Schlagzeilen in der "Yellow Press"
Doch neben diesen sportlichen Höhen gab es auch Zeiten, in denen sich der langjährige Tennis-Roboter von einer anderen Seite zeigte. Im Jänner 91 trennte er sich von Leitgeb, um zwischendurch einmal das Leben zu genießen, was prompt einen argen Rückfall in der Weltrangliste auf Rang 116 und Schlagzeilen in der Yellow Press zur Folge hatte. Leise Gedanken an einen Rücktritt kamen auf, doch zum Glück machte er weiter.
"Musterminator"
1995 wurde dann zum Jahr der größten Erfolge. Nicht weniger als zwölf Turniersiege und ein Run von 40 Erfolgen auf Sand en suite rückten ihn weltweit ins Rampenlicht, Begriffe wie "Muster-Express" oder "Musterminator" kamen auf. Die Krönung erfolgte am 11. Juni 1995 in Paris mit einem 7:5,6:2,6:4-Finalsieg über Michael Chang. Im Jahr darauf - exakt am 12.2.1996 - führte Muster erstmals - für eine Woche - die Weltrangliste an, was später noch ein zweites Mal - für fünf Wochen - der Fall war.
Letztes Jahr von Niederlagen geprägt
1996 gewann Muster in Bogota sein letztes Turnier auf Asche, kurioserweise gegen Nicolas Lapentti, gegen den er am 24. Mai 1999 bei den French Open sein letztes Match auf der ATP-Tour verlor. 1997 folgten noch die Titel 43 (Dubai) und 44 (Key Biscayne), doch dann ging nicht mehr viel. 1998 blieb Thomas erstmals nach neun Jahren ohne Turniererfolg und auch sein letztes Jahr (1999) war von Niederlagen geprägt.
Comeback auf der Seniors-Tour
Dann wurde es einige Zeit still um den Steirer, der nach der Hochzeit mit der Australierin Jo-Beth Taylor nach "down under" übersiedelte und erst seit Ende 2002 - nach der Trennung von seiner Frau - wieder in Österreich ansässig wurde. Im Vorjahr schwang er nach 1.539 Tagen Absenz auf der Seniors-Tour in Graz unter großer Anteilnahme des Publikums erstmals wieder wettkampfmäßig das Racket, nachdem er sich vorher mit ähnlichem Ehrgeiz wie in früheren Tagen fit getrimmt hatte. Nun wird er wohl mit einem ähnlichen Elan an seine neue Aufgabe herangehen. Ob er aber damit ein neues "Tennis-Wunder" bewirken kann, werden die nächsten Jahre zeigen.
| Daviscup-Weltrangliste, 9. Februar 2004: | |||
| 1. | (1.) | Australien | 29.750 Punkte |
| 2. | (2.) | Frankreich | 24.500 |
| 3. | (4.) | Spanien | 20.000 |
| 4. | (3.) | Russland | 18.661,25 |
| 5. | (5.) | Argentinien | 13.130 |
| 6. | (6.) | Schweiz | 11.257,81 |
| 7. | (7.) | USA | 8.817,50 |
| 8. | (8.) | Schweden | 8.312,50 |
| 9. | (9.) | Niederlande | 6.750 |
| 10. | (14.) | Weißrussland | 4.992,50 |
| weiter: | |||
| 18. | (17.) | Österreich | 2.375 |
(apa/red)
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