Dienstag, 3. Februar 2004

Daviscup: Duell mit USA weckt Erinnerungen an 1990

  • Muster: "Bin glücklich, dass wir wieder in Weltgruppe sind"

Wenn am Wochenende das österreichische Daviscup-Team gegen die haushohen Favoriten aus den USA antreten muss, dann kommen unweigerlich Erinnerungen an das wohl größte Tennis-Event der heimischen Geschichte auf: 1990 hatte das ÖTV-Team im Halbfinale die USA mit Andre Agassi und Michael Chang zu Gast und verlor nur knapp mit 2:3, nur einen Satz vom Sieg entfernt. Jener Mann, der nicht zuletzt auf Grund seiner Heldentaten in diesem Duell unvergessen ist, könnte schon in naher Zukunft in anderer Funktion auf die Daviscup-Bank zurückkehren: Thomas Muster.

Im Wiener Praterstadion, das auf Grund der großen Nachfrage als Schauplatz gewählt worden war, verfolgten über 40.000 Zuschauer die legendären Siege von Muster über Agassi und Chang. Die 17.000 Fans am ersten Tag bedeuteten damals sogar "Daviscup-Europarekord". Dass Horst Skoff, nach einer 2:0-Satzführung im auf Montag verlegten Schluss-Einzel gegen Chang den Sieg noch aus der Hand gab, liegt noch heute vielen Fans im Magen.

Muster will Kapitän werden
Muster ist vergangenes Jahr unter großem Medien-Rummel wieder ins Tennis zurück gekehrt, wenn auch "nur" auf der Seniors Tour of Champions. Der mittlerweile 36-jährige Steirer interessiert sich schon seit einiger Zeit für den Posten eines Daviscup-Kapitäns, der Vertrag von Günter Bresnik läuft im Juni aus und der ÖTV möchte auch mit Muster zusammenarbeiten. Ob dies noch in diesem Jahr sein wird, ist derzeit noch unklar. Durchaus möglich ist auch, dass Bresnik dieses Jahr mit dem zu erwartenden Relegationsduell im Herbst noch beendet.

Neuer Schwung ins österreichische Tennis
Warum Muster seine Meinung im Gegensatz zu seiner aktiven Zeit geändert hat, begründete er vergangenen November in Wien. "Hier sind Türen aufgegangen, die ich teilweise auch selbst aufgestoßen habe. Und es tut mir auch ein bisserl weh, zu sehen, wie in den vergangenen Jahren das Leistungspotenzial durch die Finger geronnen ist", glaubt der ehemalige Weltranglisten-Erste auch im Zusammenhang mit einem Jugendprojekt in der Steiermark neuen Schwung ins österreichische Tennis bringen zu können.

Daviscup als Lernprozess
"Ich bin sehr glücklich, dass wir wieder in der Weltgruppe sind, denn Tennis hatte in Österreich einige Zeit Schwierigkeiten", sagte Muster in einem Interview auf der offiziellen Daviscup-Homepage. "Nachdem ich aufgehört habe, wurde jeder an mir gemessen, was ein bisschen unfair gegenüber den Jungen war." Das Daviscuptreffen in der Mohegan Sun Arena von Uncasville sieht Muster als gute Möglichkeit, dazuzulernen. "Es ist ein hartes Los, aber auch eine gute Möglichkeit für unsere Burschen ein Daviscup-Match auf diesem Level zu erleben. Sie hatten diese Erfahrung bisher noch nicht und ich sehe es als Lernprozess für ihre Karrieren", glaubt der French-Open-Sieger 1995.

(apa/red)

3.2.2004 10:35