Freitag, 6. Februar 2004

Muschelsuche: 19 Menschen in England umgekommen

Die Zahl der vor England ertrunkenen chinesischen Muschelsucher ist auf 19 gestiegen. Das gab eine Polizeisprecherin am Freitag bekannt, nachdem eine weitere Leiche aus dem Meer geborgen wurde. Die Gruppe von etwa 30 Muschelsuchern war am Donnerstagabend in der für unberechenbare Gezeitenwechsel berüchtigten Morecambe-Bucht an der nordwestenglischen Küste von der Flut überrascht worden.

Augenzeugen zufolge wagten sie sich bis zu 1,5 Kilometer ins Watt hinaus, als das Wasser plötzlich anstieg. Ein Sprecher des Londoner Verteidigungsministeriums sagte, die Opfer seien offenbar im Schlamm stecken geblieben. Rettungskräfte bargen die Leichen mit Luftkissenbooten von einer Sandbank.

Insgesamt 14 Mitglieder der 32-köpfigen Gruppe wurden nach Angaben der britischen Küstenwache gerettet. Drei von ihnen wurden mit Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht, die anderen wurden von der örtlichen Polizei zu dem Vorfall vernommen. Die meisten der Geretteten konnten sich der Küstenwache zufolge selbst aus den steigenden Fluten befreien. Die Leichen der ertrunkenen Muschelsucher wurden in Plastikhüllen nach Morecambe, rund 70 Kilometer nordwestlich von Manchester, gebracht. Nach Polizeiangaben befanden sich unter den Chinesen möglicherweise auch mehrere illegale Einwanderer.

Rettungskräfte suchten die ganze Nacht über mit zwei Hubschraubern und Rettungsbooten nach Überlebenden des Unglücks. Die Opfer hatten jedoch wegen der eisigen Temperaturen keine Überlebenschance. Die Wassertemperatur betrage zu dieser Jahreszeit kaum über null Grad, sagte ein Sprecher der Küstenwache. Der Wind habe mit Stärke sechs geblasen. Die Todesopfer hätten keinerlei Sicherheitsausrüstung bei sich gehabt, einige seien nackt gewesen, um schneller schwimmen zu können. Die Bucht von Morecambe ist vor allem wegen des Treibsandes und der rasch ansteigenden Flut berüchtigt.
(APA)

6.2.2004 10:00