Irans Wächterrat lässt nur 51 Kandidaten wieder zu
- PLUS: Geistlicher Führer Khamanei verbietet Wahlverschiebung
Im Streit um die Zulassung tausender iranischer Kandidaten zur Parlamentswahl dauert die Konfrontation zwischen Reformern und dem konservativen Wächterrat an. Trotz eines Ultimatums reformorientierter Politiker ließ das Gremium bei einer weiteren Überprüfung nur 51 von etwa 2500 ausgeschlossenen Kandidaten wieder zu. Das erklärte der Chef der größten iranischen Reformpartei Mohammed-Reza Khatami.
Nach einem Bericht der Tageszeitung "Jam e Jam" wurde das Verbot für etwa 100 Kandidaten zurückgezogen. Rund 130 Parlamentarier kündigten einen Boykott der Wahl an.
"Das ist das schlimmstmögliche Ergebnis", kritisierte Khatami am Donnerstag. Seine Partei, die Beteiligungsfront, bleibe bei der Entscheidung, nicht an der Wahl teilzunehmen. Unter den für die Wahl zugelassenen Bewerbern befänden sich acht oder neun Parlamentsabgeordnete. In seiner ursprünglichen Entscheidung hatte der aus konservativen Geistlichen und Rechtsverständigen zusammengesetzte Wächterrat alle Reformabgeordneten von der Wahl ausgeschlossen.
Nach Vorlage von 120 Bewerbungen durch das Informationsministerium habe der Rat eine Prüfung weiterer Fälle abgelehnt, kritisierte der Bruder von Präsident Mohammed Khatami. Nach Angaben der studentischen Nachrichtenagentur Isna unterzog das Gremium rund 600 Kandidaturen einer erneuten Prüfung.
Für die Angaben von Oppositionsführer Khatami und den Bericht von "Jam e Jam" lagen zunächst keine offizielle Bestätigungen vor. Die Reformparteien hatten dem Wächterrat am Mittwoch ein Ultimatum gestellt, das am Donnerstag auslaufen sollte. Die erneute Überprüfung der Wahllisten sei noch nicht abgeschlossen, zitierte Isna dagegen den Vizechef des Wächterrates, Reza Savarehi. Das Gremium werde seine Arbeit am Montagabend abschließen. (APA)
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