Genua-Prozess: Freispruch für 93 Globalisierungsgegner
- Wurden beschuldigt, an Krawallen beteiligt gewesen zu sein
- Demonstranten klagten über schwere Misshandlungen der Polizei
93 Globalisierungsgegner, die am 21. Juli 2001 in Genua wegen mutmaßlicher Beteiligung an Krawallen festgenommen worden waren, sind freigesprochen worden. Laut Untersuchungsrichterin könne man den Globalisierungsgegnern nicht Beteiligung an einer kriminellen Organisation vorwerfen, die sich die Stadtverwüstung anlässlich des G-8-Gipfels zum Ziel gesetzt hatte, berichteten italienische Medien.
Bei einer Polizeirazzia waren Sicherheitskräfte in die Räumlichkeiten der Schule "Armando Diaz" eingedrungen, in der Dutzende von Demonstranten übernachteten, und hatten die Globalisierungsgegner festgenommen. Bei Handgemengen wurden 66 Personen verletzt, zwölf von ihnen mussten in Spitalsbehandlung. Die Polizei wurde beschuldigt, die Demonstranten in der Diaz-Schule wahllos zusammengeschlagen zu haben, obwohl alle ihre Hände hoch gehalten hätten und sich niemand gewehrt habe.
Die in der Schule festgenommenen Demonstranten waren in eine Polizeikaserne geschleppt worden, wo sie nach eigenen Angaben von der Polizei schwer misshandelt worden seien. Globalisierungsgegner berichteten, ihnen sei mehrfach eine ätzende Chemikalie ins Gesicht gesprüht worden. Andere Demonstranten klagten, dass ihnen die Polizei den Oberkiefer gebrochen und mehrere Zähne ausgeschlagen habe.
Zahlreiche Untersuchungen gegen Polizisten, denen Schikanen gegen Demonstranten vorgeworfen werden, ergaben keinerlei Resultate. Bei den Krawallen am Rande des G-8-Gipfels war ein 20-jähriger Globalisierungsgegner, Carlo Giuliani, von einem Polizisten erschossen worden. In Genua waren damals auch 17 österreichische Aktivisten der Theatergruppe VolxTheaterKarawane festgenommen worden. Die Genueser Justizbehörden müssen noch über die Eröffnung eines Prozesses gegen die Österreicher wegen angeblicher Sachbeschädigung entscheiden.
(apa)
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