Montag, 2. Februar 2004

Grausam: In Nordkorea wurden Chemiewaffen an politischen Gefangenen getestet

  • Ehemaliger Lagerleiter packt aus: "Man konnte sie töten, ihr Tod interessierte niemanden"

Nordkorea soll Chemiewaffen an politischen Gefangenen getestet haben. Die Häftlinge seien für Experimente mit Chemikalien missbraucht worden, sagte der ehemalige Lagerleiter Kwon Hyok am Sonntag in einem Bericht des britischen Senders BBC. Die Gefangenen seien wie "Schweine oder Hunde" behandelt worden, sagte Kwon. Das Leben der Häftlinge habe keinerlei Wert gehabt. "Man konnte sie töten, ihr Leben oder ihr Tod interessierte niemanden."

Kwon war 1999 die Flucht nach Südkorea gelungen, als er für den nordkoreanischen Geheimdienst in Peking arbeitete. Zuvor hatte er das Lager Nummer 22 in der abgelegenen Region Haengyong an der Grenze zu Russland geleitet. In den ersten drei Jahren dort habe es ihm Spaß gemacht, die Menschen zu foltern, gesteht der Nordkoreaner in dem BBC-Bericht, der am Sonntagabend ausgestrahlt werden sollte.

Kein Mitleid mit "Landesfeinden"
Kwon gab an, er habe kein Mitleid gehabt, da ihm beigebracht worden sei, die Gefangenen als "Feinde unseres Landes" zu betrachten. Deshalb habe er gedacht, sie verdienten den Tod. In dem Lager waren laut Kwon ganze Familien interniert. Es habe bereits ausgereicht, etwas gegen den früheren Machthaber Kim Il Sung oder seinen Sohn und Nachfolger Kim Jong Il zu sagen, um in einem Lager eingesperrt zu werden.

(apa)

2.2.2004 09:54