Samstag, 7. Februar 2004

Stift Geras: Laut Abt Angerer nicht überschuldet

  • Angerer tritt am Sonntag als Abt von Geras zurück

Das Stift Geras sei "sicher nicht überschuldet", die Schulden in Höhe von 10,1 Millionen Euro seien durch den Besitz des Stiftes mehr als abgedeckt. Dies erklärte Prälat Joachim Angerer in der ORF-Reihe "Im Journal zu Gast" zu den Vorwürfen, er habe das Stift Geras in den wirtschaftlichen Ruin geführt. Angerer tritt am Sonntag als Abt von Geras zurück.

Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen erklärte Angerer: Mitbrüder hätten die Schulden zum "Vorwand genommen, um mich zu treffen". Mit einem Dossier, das viele "Halbwahrheiten" enthalte, hätten sie ihn in Rom angezeigt. Der "Botenträger" sei Bischof Kurt Krenn gewesen, mit dem er immer wieder harte Auseinandersetzungen geführt habe. Zwar habe er zu Krenn immer eine Gesprächsbasis gehabt, aber es sei "bekannt, dass er nichts vergessen kann".

Er, Angerer, habe in seinen 35 Jahren als Wirtschaftsverantwortlicher das Stift Geras und das Kloster Pernegg - die beide in "trostlosem Zustand" gewesen seien - restauriert und revitalisiert. Schulden habe es schon damals gegeben, hätte er sich danach gerichtet, hätte er bis heute "nicht einen einzigen Dachziegel erneuern" dürfen.

Bestätigt sieht Angerer seine frühere Aussage, dass unter Krenn die Diözese St. Pölten kaputt gemacht werde. "Wir sind auseinandergetrieben", beklagte Angerer eine "Spaltung in der eigenen Gemeinschaft". Viele hätten sich dem Bischof zugewandt in der Hoffnung, etwas zu werden, "das sind Kriegsgewinnler", meinte der Prälat. In der Diözese gebe es kein Pastoralkonzept und die Gläubigen würden immer weniger.

Im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche - in Geras sollen 20 Buben durch einen belgischen Priester missbraucht worden sein - plädierte Angerer dafür, das Pflichtzölibat freizugeben. Es gebe in der Kirche "weltweit furchtbare Skandale", weil Sexualität und Körperlichkeit verdrängt würden. Darüber geredet werde nur, wenn es Skandale gibt. "Dass muss thematisiert, nicht skandalisiert werden", so Angerer. (apa)

7.2.2004 14:08