Donnerstag, 5. Februar 2004

Kaprun-Urteil: Rund 100 Zivil-Klagen liegen vor

  • OLG Linz wird über Rechtskräftigkeit erst in ein paar Monaten entscheiden
  • Böhmdorfer drängt jetzt auf Unternehmensstrafrecht

Beim Kaprun-Prozess wurde am Donnerstag das Urteil in erster Instanz bekannt gegeben. Während es nach der Berufung durch die Staatsanwaltschaft noch einige Monate dauern wird, bis das OLG Linz über die Rechtskräftigkeit entscheidet, werden nun die zivilrechtlichen Klagen in Angriff genommen. Derzeit werde mit den Anwälten geklärt, ob und welche Verfahren als "Musterprozess" abgehandelt werden, sagte Landesgerichtspräsident Walter Grafinger der APA.

Auf der zivilrechtlichen Ebene liegen rund 100 Klagen von über 240 Personen gegen die Gletscherbahn vor: Hinterbliebene wollen Renten, Unterhaltszahlungen, Schadenersatz und Schmerzensgeld. Die Höhe des Gesamtstreitwertes wird mit mehr als 9,5 Millionen Euro beziffert.

Abgehandelt werden die zivilrechtlichen Klagen von Richtern des Landesgerichtes Salzburg, da die Forderungen Beträge über 10.000 Euro umfassen, sagte Grafinger. Geprüft werde nun von den Richtern und Anwälten ein "Musterprozess", da es bestimmte gleiche Konstellationen bei den Klagen gebe.

Da das Strafverfahren keine bindende Wirkung für Zivilprozesse hat, könnte das gesamte Beweisverfahren neu durchgeführt werden, sagte der Gerichtspräsident. Die Kosten müsse dann derjenige übernehmen, der den Prozess verliert.

Zuversichtlich, dass die Angehörigen der Opfer der Kaprun-Katastrophe Geld durch die Prozesse in den Vereinigten Staaten bekommen werden, ist US-Anwalt Ed Fagan, der in den USA einige Verfahren gegen Firmen laufen hat und denen sich rund 120 Angehörige angeschlossen haben. Die Forderungen belaufen sich zwischen sechs und 15 Millionen US-Dollar (4,70 bis 11,75 Millionen Euro) pro Opfer, je nachdem, ob es zum Beispiel Ehefrauen oder Kinder zu unterstützen hatte, so Fagan.

Vorgegangen wird zunächst gegen drei US-Firmen (Omniglow, American Parmalight und American Cynamic), dann gegen die vier europäischen Firmen Siemens, Bosch Rexroth, Waagner-Biro und Beton- und Monierbau. Mit einem Urteil gegen die drei US-Firmen rechnet Fagan Ende dieses Jahres, bei den europäischen Unternehmen im Jahr 2005. (apa/red)

5.2.2004 17:45