Mittwoch, 4. Februar 2004

Betrugsverdacht: Hat Bank-Filialleiter 5 Mio. € kassiert?

  • Rund 100 fingierte Kreditkonten in oö. Volkskreditbank
  • Schaden für die Bank beläuft sich auf 4,5 bis 5 Millionen €

Neuer Betrugsfall in Oberösterreich! Unter Betrugsverdacht steht der Leiter einer Filiale der Volkskreditbank (VKB) aus dem Großraum Steyr. Laut einer Aussendung der VKB vom Mittwochnachmittag seien bei einer Innenrevision in der Filiale zahlreiche fingierte Kreditkonten aufgetaucht.

Der Filialleiter sei geständig, sein Dienstverhältnis sei daraufhin sofort beendet worden. Der Schaden liege bei 4,5 bis fünf Mio. Euro. Er gehe ausschließlich zu Lasten der VKB-Bank, Kunden seien nicht geschädigt worden, wurde in der Aussendung betont.

Die Manipulationen dürften sich über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren oder mehr erstrecken, sagte VKB-Chef Gernot Krenner auf Anfrage der APA. Der Filialleiter, der eine Vertrauensstellung besaß, habe sämtliche Kreditakten "ordnungsgemäß" angelegt, es sei auch das Vier-Augen-Prinzip eingehalten worden, das heißt, ein zweiter Mitarbeiter habe jeden Akt abgezeichnet. "Allerdings waren alle Unterlagen, Dokumente, Wechsel und dergleichen in den Kreditakten gefälscht", berichtete Krenner. Der Tatverdächtige habe sich dabei der Namen von tatsächlich existierenden Personen bedient, die freilich nichts von den Manipulationen wussten. Auf diese Weise sei die Sache trotz des Vier-Augen-Prinzips so lange nicht entdeckt worden. Weitere VKB-Mitarbeiter seien in die Affäre nicht involviert, betonte Krenner.

Insgesamt dürfte der Filialleiter rund 100 Kreditkonten fingiert haben. Nach der Methode "Loch auf - Loch zu" habe er sich auf dem Weg über diese falschen Kreditkonten die Gelder beschafft.

Unmittelbar nach Auffliegen der Manipulationen in der Bank wurde dem Filialleiter von der VKB die Gelegenheit gegeben, Selbstanzeige zu erstatten, "ansonsten hätten wir selbstverständlich von uns aus die Staatsanwaltschaft eingeschaltet", so Krenner. (APA/red)

4.2.2004 16:41