Montag, 2. Februar 2004

Prodi in Wien: Ehrung durch Rabbinerkonferenz

  • EU-Kommissionspräsident bekam Menschenrechtspreis

EU-Kommissionspräsident Prodi hat am Montag in Wien im Rahmen einer Rabbinerkonferenz einen Menschenrechtspreis erhalten. Prodi erklärte in seiner Rede, das Ansteigen des Antisemitismus in Europa dürfe nicht unter den Teppich gekehrt werden. Das Thema Antisemitismus müsse offen angesprochen und die nötigen Maßnahmen dagegen ergriffen werden.

Ignoranz und Desinformation seien dabei "unsere schlimmsten Feinde", so der Italiener. Die Juden seien immer ein integrativer Bestandteil Europas gewesen und hätten für die Freiheit Europas gekämpft, so Prodi. Dabei erinnerte Prodi an die Million jüdischer Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft hätten und an jene, die im Widerstand gegen die Nazis gewesen seien. Das mache die jüdischen Gemeinden auch zu überzeugten Unterstützern der europäischen Integration.

Werte wie gegenseitiger Respekt, Religionsfreiheit und Integration, die der EU zu Grunde lägen, seien von Juden von jeher hochgehalten werden. Heute gälten diese Werte für den ganzen Kontinent, der zum ersten Mal friedlich vereint werde. Daher begrüße er vor allem jene Rabbiner, die aus den Oststaaten nach Wien gereist seien. Explizit erwähnt wurden von Prodi dabei Russland, die Ukraine und Moldawien. Die EU biete diesen Staaten rund um die Union an, Frieden, Stabilität und Wachstum mit der EU zu teilen. Zu diesen Ländern gehöre auch Israel.

Nach der heftigen Kritik jüdischer Organisationen an einer Eurobarometer-Umfrage der EU-Kommission, in der Israel als Bedrohung für den Weltfrieden bezeichnet wurde, sowie an der Nicht- Veröffentlichung einer Antisemitismusstudie der in Wien ansässigen Europäischen Beobachtungsstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) sehen Beobachter den heutigen Auftritt Prodis als Versöhnungsgeste. (APA)

2.2.2004 07:44