Mittwoch, 28. Jänner 2004

Das Grasser Dossier: NEWS deckt neue Geldflüsse auf

  • Monatelang schwiegen Grasser und sein Kabinettschef Winkler.
  • Jetzt ist klar: Verein kassierte 352.000 Spenden-Euro.

Die Opposition rückt Grasser in Berlusconi-Nähe. Der Minister und sein Vereinsobmann schlagen im Interview zurück.

Dass Finanzminister Karl-Heinz Grasser zuletzt sogar die Staatsanwaltschaft angriff, könnte sich als schwerer Fehler herausstellen. Weil ihm die Justiz die leidige Affäre um den „Verein zur Förderung der New Economy“ seines Kabinettschefs Matthias Winkler, Spenden in Schilling-Millionenhöhe und gerichtliche Vorerhebungen gegen Winkler wegen Abgabenverkürzung und möglicherweise Untreue nicht endlich vom Hals schaffen will, rotieren derzeit alle beteiligten Behörden – von der attackierten Staatsanwaltschaft über die Finanzer selbst bis hin zum Bundeskriminalamt.

Und die Beamten werden in den nächsten Tagen und Wochen wohl im Büro nächtigen müssen. Denn die neuen Fakten über den 2001 von Kabinettschef Winkler und Grasser-Spitzenbeamten gegründeten Verein, der mit Millionenspenden der Industriellenvereinigung vor allem eine Homepage mit – mittlerweile entfernten – Baby- und Jugendfotos betrieb, könnten der Causa eine dramatische Wendung geben.

Noch mehr Geld: 352.000 Euro. Nach NEWS-Recherchen sind am CA-Konto Nr. 0444-54007/00, das auf den Namen „Verein zur Förderung der New Economy“ lautet, insgesamt 352.000 Euro eingelangt – wesentlich mehr also als die zunächst von der Industriellenvereinigung zugegebenen 174.418 Euro und noch einmal mehr als die von NEWS in der Vorwoche dingfest gemachten weiteren 112.643 Euro. Fast 70.000 Euro, eine knappe Million Schilling, kommen nach neuesten Recherchen hinzu.

Kamen 42.000 Euro von Magna? Besonders brisant: 42.000 Euro sollen ursprünglich von Grassers ehemaligem Arbeitgeber Magna stammen. Der habe laut NEWS-Informationen die Summe als Mitgliedsbeitrag bei der Industriellenvereinigung deklariert. Gelandet sei das Geld aber am Konto des Vereins, der „als wichtigsten Proponenten Karl-Heinz Grasser“ im Statut stehen hat.

Winkler dementiert. Winkler, von NEWS mit diesen Recherchen konfrontiert, dementiert heftig: „Der Verein hat ausschließlich Förderung von der IV erhalten. Der von ihnen genannte Gesamtbetrag ist Unsinn.“ Noch einmal explizit darauf angesprochen, ob er ausschließen könne, dass Magna-Gelder direkt aufs Vereinskonto geflossen seien, antwortet Winker: „Das ist völlig auszuschließen.“ Grassers Kabinettschef, der im Unterschied zu IV(Industriellenvereinigung)-Generalsekretär Lorenz Fritz niemals konkrete Spendenhöhen bestätigt hat: „Dem Verein ist nie mehr Geld als das zur Verfügung gestanden“, womit Winkler erstmals indirekt die von NEWS in der Vorwoche aufgedeckte 283.000-Euro-Spende der Industriellenvereinigung bestätigt, zu der er bis dato zu keinerlei Stellungnahme bereit war.

Wohin das New-Economy-Geld floss. Hochinteressant auch die NEWS-Recherchen über die Geldabflüsse vom Vereinskonto: Für die Erstellung der KHG-Homepage sollen rund 180.000 Euro, ein sagenhafter Betrag für eine Dienstleistung, die Internetprofis auf maximal 25.000 Euro taxieren, aufgewendet worden sein. Neben einer Firma im Einflussbereich der Brüder Paul und Peter Hochegger (gute Freunde Grassers) soll eine renommierte heimische Werbeagentur, deren Name NEWS bekannt ist, die aber Winkler laut Eigenangabe „gar nicht kennt“, den Löwenanteil der Ausgaben in Rechnung gestellt haben. Tatsache freilich ist, dass die Abflüsse an diese Agentur bereits bei der Staatsanwaltschaft Wien unter der Aktenzahl 51 St 72/03 bekannt sind.

Heikle Überweisung auf Grasser-Treuhandkonto. Weitere, vor allem für die Staatsanwaltschaft interessante Abbuchungen betreffen das damals von Karl-Heinz Grasser in Vorbereitung seines Sozialfonds angelegte Treuhandkonto bei der Notariatsbank: Eine Überweisung von 9.900 Euro auf das Treuhandkonto wurde von der Staatsanwaltschaft mittlerweile offiziell bestätigt. Nun sind aber weitere 5.500 Euro aufgetaucht, die ebenfalls auf das Treuhandkonto geflossen sein sollen. Dazu will Winkler freilich nichts mehr sagen.

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PLUS: Grasser im NEWS-Interview: „Kommentiere IV-Info-Politik nicht“
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28.1.2004 16:28