Leben auf dem Mars?
- Europa und die USA fighten mit Sonden und Satelliten um den Sieg in der Mars-Forschung. Jetzt fanden die Europäer Wasser.
- US-Präsident Bush gibt grünes Licht für eine bemannte Mars-Mission. Bis zu ihrem Start 2030 sollen Dutzende Sonden den Mars erforschen.
Freude und Stolz sind Rudolf Schmidt anzusehen. „Wir werden das Bild vom Mars revolutionieren“, sagt er bei der Präsentation der vielleicht sensationellsten wissenschaftlichen Erkenntnis der Weltraumforschung seit der Mondlandung. „Es gibt Wasser auf dem Mars. Das hat das Spektrometer unserer Raumsonde Mars Express eindeutig nachgewiesen. Und wo Wasser ist, ist Leben.“
Weltraummacht Europa. Mit dieser Meldung hat der Österreicher, der den Flug der Mars-Sonde „Mars Express“ leitet, die Konkurrenten der NASA alt aussehen lassen. Die hatten bislang in Sachen Mars nämlich medial eindeutig die Nase vorne. Während die am 25. Dezember in den Mars-Orbit vorgedrungene ESA-Marssonde „Beagle 2“ eine Bruchlandung hinlegte, funkte die eine Woche später gelandete US-Sonde „Spirit“ sogar 3-D-Fotos vom Landeplatz zur Erde. Und auch ihre Zwillingssonde „Opportunity“ hat es am vergangenen Freitag unbeschadet auf die Mars-Oberfläche nahe des Mars-Äquators geschafft. Bis vergangenen Donnerstag sah es also so aus, als wären die Europäer wieder einmal nur die Nummer 2 im All.
Wasser Mars(ch). Das hat sich mit den Ergebnissen der ersten Messungen von Mars Express grundlegend geändert. Das Infrarotspektrometer „Omega“ hat am Südpol eindeutig den Nachweis erbracht, dass es sich bei den seit längerem bekannten weißen Polkappen nicht um gefrorenes CO2, sondern um tiefgekühltes H20 handelt. Gleichzeitig zeigen die Tiefenmessungen des Gamma-Spektrometers von Mars Express, das die Mars-Oberfläche bis in eine Tiefe von fünf Kilometern durchdringen kann, dass es auf dem Mars auch Grundwasservorkommen gibt. Schmidt: „Die bis jetzt entdeckten Vorräte sind ebenfalls alle gefroren.“ Kein Wunder, bei „lauen“ Durchschnittstemperaturen von minus 120 °C, die am Südpol herrschen. Und: Die Existenz von Wasser ist für alle Mars-Forscher das wichtigste Indiz für die Möglichkeit von Leben. Schmidt: „Ohne Wasser sind Lebensformen nicht denkbar. Und da der Mars einmal der Erde sehr ähnlich war, deutet alles darauf hin, dass Leben auf beiden Planeten ähnliche Entwicklungen durchgemacht hat.“
Diese Ergebnisse lassen auch die ESA-Financiers jubeln. ESA-Ratsvorsitzende Edelgard Buhlmann, in der europäischen Weltallbehörde unter anderem für die Finanzen zuständig, in Richtung der europäischen Regierungschefs: „Mit diesen Ergebnissen hat sich Europa an die Spitze der Mars-Forschung gesetzt.“
Mars-Bilderbuch. Neben dem sensationellen Wasserfund kann Mars Express aber noch mit einer weiteren Besonderheit aufwarten. Die Spezialkameras des Satelliten funken derzeit die schärfsten und detailgetreuesten Bilder der Mars-Oberfläche zur Erde, die es bislang gegeben hat. Die Kameras können aus der 275 Kilometer hohen Umlaufbahn Objekte bis zur Größe eines Kleinwagens gestochen scharf darstellen. 100 Gigabyte Bilddaten wurden bislang zur Erde gefunkt. Auf den Bildern wurde eine Fläche von 1,8 Millionen Quadratkilometern genau unter die Lupe genommen, das entspricht in etwa der Größe Frankreichs, Deutschlands, Österreichs, Italiens und Portugals. Die Eindrücke von der Oberfläche sind gewaltig. So zeigen die Fotos mörderische Staubwinde, die sich am erloschenen Mars-Vulkan „Albor Tholus“ mit mehreren hundert Stundenkilometern in den vier Kilometer tiefen, erloschenen Schlund des Feuerberges stürzen. Oder die bis zu vier Kilometer tiefen Schluchten der „Valles Marineris“, die, so sind sich Experten von ESA und NASA einig, einst von gewaltigen Wassermassen, die über den Mars geflutet sind, ausgewaschen wurden.
Gerhard Schwehm, ESA-Kollege von Rudolf Schmidt, der in den nächsten zwei Jahren die wissenschaftliche Arbeit von Mars Express lenken wird: „Diese Schluchten sind teilweise doppelt so tief wie der Grand Canyon.“ In 24 Monaten wollen Schwehm und sein Team die gesamte MarsOberfläche durchfotografieren und die Erdschichten durchleuchtet haben. „Dann kennen wir den Mars besser als manche Bereiche der Tiefsee unserer Erde.“
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PLUS: Infrarot-Beweis: Wasser
PLUS: So funktioniert die Mars-Sonde „Spirit“
PLUS: Der High-Tech-Wettlauf
PLUS: Mars-Fahrplan bis 2030
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