Parmalat: Staatsanwälte ermitteln wegen Steuerfahnder-Korruption
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Der Skandal um den insolventen italienischen Nahrungsmittelkonzern Parmalat zieht weitere Kreise. Die Staatsanwaltschaft von Parma ermittelt wegen mutmaßlicher Korruption. Sie geht davon aus, dass die Parmalat-Manager Steuerfahnder geschmiert haben könnten, um Kontrollen zu umgehen, berichteten italienische Medien. In den Sog der Ermittlungen könnten laut Gerüchten Dutzende Personen geraten.
Inzwischen wird weiterhin nach dem "Geheimschatz" des inhaftierten Parmalat-Firmengründers Calisto Tanzi gesucht. Die Ermittler gehen davon aus, dass Tanzi auf mehrere ausländische Bankkonten eine Summe von Hunderten Millionen Euro verteilt haben könnte, die er in den vergangenen Jahren unterschlagen hatte. "Auch wenn wir diese Summe finden, würde sie nicht genügen, um die Schulden der Firma einzudämmen", berichtete ein Ermittler. Die Informationen, die die inhaftierten Parmalat-Manager über den so genannten "Geheimschatz" geliefert haben, seien bisher unzulänglich gewesen, hieß es aus Ermittlerkreisen.
Telefonist als Strohmann verwendet
Unterdessen wurde die Parmalat-Tourismusfirma Nuova Holding unter Gläubigerschutz gestellt. Das Unternehmen hatte in den Firmenkassen knapp 6.000 Euro, dabei betrugen die Schulden der Gesellschaft 79 Millionen Euro.
Die Ermittler vernahmen auch den Parmalat-Angestellten Angelo Ugolotti. Ohne es zu wissen, wurde der Telefonist als Strohmann eingesetzt und galt als Chef mehrerer ausländischer Parmalat-Töchter. "Ich wusste nichts davon, man gab mir Dokumente zu unterschreiben, und ich tat es", sagte Ugolotti.
Demonstranten fordern Rücktritt
In Rom versammelten sich einige hundert Personen vor der Notenbank, um die Demission des italienischen Zentralbankchefs Antonio Fazio zu fordern. Die Demonstranten, mehrheitlich Anhänger der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord, trugen Spruchbänder mit Slogans gegen Fazio, der wegen des Parmalat-Skandals arg unter Druck geraten ist. Fazio wird beschuldigt, seinen Aufsichtspflichten nicht nachgekommen zu sein. Wegen der Parmalat-Insolvenz erlitten rund 100.000 italienische Investoren große finanzielle Verluste.
Am Dienstag plant die Regierung die Verabschiedung eines Dekrets zur Einrichtung einer Aufsichtsbehörde zum Sparerschutz. Die neue Instanz soll die Aufsichtskompetenzen der Zentralbank im Bereich Finanzmärkte stark reduzieren. Wegen der Reform könnten bei der Banca d´Italia zirka 1.000 der insgesamt 8.500 Arbeitsplätze verloren gehen, warnten die Gewerkschaften.
(apa/red)
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