Mittwoch, 28. Jänner 2004

Daviscup: ÖTV-Team reist als klarer Außenseiter in die USA

  • US-Mannschaft hat noch nie Erstrunden-Spiel auf eigenem Boden verloren
  • PLUS: Alles über die Australian Open!

Österreichs Daviscup-Team mit Jürgen Melzer, Stefan Koubek, Julian Knowle und Alexander Peya tritt bereits am Donnerstag die Reise zum schweren Auswärts-Länderkampf vom 6. bis 8. Februar in den USA an. In einem Casino-Komplex im Indianer-Reservat von Uncasville (US-Bundesstaat Connecticut) trifft die Truppe von Günter Bresnik als klarer Außenseiter auf Noch-Nummer eins Andy Roddick und Co. Für den Daviscup-Kapitän ist es eine Art Abschied, sein Vertrag läuft im Juni dieses Jahres aus.

Auch wenn das Glücksspiel am Schauplatz dominiert, mit Glück allein wird dieser übermächtige Gegner kaum zu biegen sein. "Im Fußball kann man auch als Außenseiter mit kratzen und beißen ein Tor und vielleicht auch eine Niederlage verhindern. Das geht im Tennis nicht", erklärt Bresnik. Mit den USA steht dem ÖTV-Team ein Gigant gegenüber; mit 31 Siegen sind die US-Amerikaner Rekordsieger, auch wenn der bisher letzte Triumph aus dem Jahr 1995 datiert. Und ein weiterer statistischer Wert macht auch nicht gerade Mut: Die US-Mannschaft hat bisher kein einziges Erstrunden-Spiel auf eigenem Boden verloren.

Auch Stefan Koubek, - erstmals seit längerer Zeit nicht Nummer eins im rot-weiß-roten Team -, ist sich dessen bewusst. Was er tun würde, wenn er als Inhaber eines Wettbüros die Quote für Österreich festlegen müsste? "Ich glaube, ich würde das 50-fache auszahlen. Aber wir haben nichts zu verlieren, wir werden versuchen, uns so gut wie möglich zu verkaufen", sagte der Kärntner am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Bresnik sentimental
"Natürlich ist das ein ganz schwerer Brocken. Jeder Einzelerfolg ist eine kleine Sensation", meint Bresnik, der dem Treffen auch ein bisschen mit sentimentalen Gefühlen entgegenblickt. "Es ist nach acht Jahren mein letzter Daviscup, mein Vertrag läuft aus. Und es gibt andere, die sich für den Posten angemeldet haben", sagte der Wiener in Anspielung auf die Absichten von Thomas Muster, der sich um diesen Job bemüht.

Doch dies sei sportlich nicht wichtig, so Bresnik, der im Einzel vor allem auf die Duelle mit dem zweiten Mann der Gastgeber setzt. Um diesen herrschte zuletzt etwas Verwirrung, doch US-Kapitän Patrick McEnroe hat sich in einem Interview vorerst auf Robby Ginepri als zweiten Singlespieler festgelegt, und nicht, wie zunächst übermittelt, auf Mardy Fish. Fish ist aber in dem fünfköpfigen US-Team, dass McEnroe ja noch bis eine Stunde vor der Auslosung ändern kann. Vielleicht hat McEnroe auch einen Blick auf das Head-to-Head seiner Kandidaten gemacht und gesehen, dass Melzer Fish im bisher einzigen Duell im Vorjahr geschlagen hat.

Sensation der Damen wiederholen
"Underdog" Österreich bräuchte - ähnlich wie vor knapp zwei Jahren die Fed-Cup-Damen - im Land der unbegrenzten Möglichkeiten schon außergewöhnliche Umstände, um eine Sensation zu schaffen. Ebenfalls in der ersten Runde der Weltgruppe hatte damals Barbara Schwartz mit sensationellen Siegen über Monica Seles und Meghan Shaughnessy für zwei Punkte gesorgt. Der dritte war allerdings nur zu Stande gekommen, weil die damalige Fed-Cup-Kapitänin Billie Jean King nach einem Streit die bereits nominierte Jennifer Capriati aus dem Team geworfen hat.

Auch Bresnik hat ein Szenario, wie ein Sieg in der 10.000 Zuschauer fassenden Mohegan Sun Arena (7.000 Zuschauer werden erwartet) über die USA zu Stande kommen könnte. "Roddick müsste sich im ersten Einzel leicht verletzen, unser zweiter Spieler müsste auf 2:0 stellen und einer der beiden Bryans müsste am Sonntag im Einzel spielen. Aber natürlich hoffen wir nicht auf eine Verletzung", spekulierte Bresnik lächelnd. (apa/red)

28.1.2004 14:23