BBC in Not: Auch Reporter Gilligan nimmt den Hut
- Nach Rücktritt: Ex-BBC-Chef kritisiert Hutton-Bericht scharf
- Dyke: "Bemerkenswert wie sehr zugunsten Regierung entschieden worden sei"
·Kelly-Bericht
2. Rücktritt! BBC-General Dyke geht!
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Knappe Mehrheit bei Uni-Reform
·Die Personen
Die Hauptakteure der Kelly-Affäre
·E-Mail beweist:
Blair-Berater ließ Irak-Papier ändern!
·Kelly-Suizid
Briten stellen die Akten ins Web
·Kelly-Affäre
Witwe mit Vorwurf gegen Ministerium!
Zwei Tage nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zum Selbstmord des britischen Waffenexperten David Kelly hat auch BBC-Reporter Andrew Gilligan seine Kündigung bei dem Sender eingereicht. Zugleich entschuldigte er sich am Freitagabend für seinen umstrittenen Bericht vom 29. Mai vergangenen Jahres.
Der schon am Donnerstag zurückgetretene BBC-Intendant Greg Dyke bezichtigte die Hutton-Kommission zum Fall Kelly der Voreingenommenheit. Die BBC sei auf unfaire Art abgestraft worden.
"Meine Kündigung erfolgt aus eigenen Stücken", erklärte Gilligan. Er beklagte sich darüber, dass die BBC kollektiv das Opfer einer großen Ungerechtigkeit geworden sei. Er habe sich zum Rücktritt entschlossen, um den Sender zu schützen. Zugleich übernehme er die Verantwortung für seinen Anteil an dieser Krise, sagte Gilligan.
Russen besorgt über "Sowjet-Verhältnisse" im Westen
Der russische Informationsminister Michail Lesin hat sich besorgt über die Rücktritte bei der BBC wegen der Kelly-Affäre geäußert. Die Demissionen des Rundfunkratsvorsitzenden und des Intendanten sowie deren Entschuldigung bei der Regierung weckten Erinnerungen an die Handhabung solcher Krisen in der Sowjetunion, sagte Lesin in einer Stellungnahme, die am Freitagabend auf der Web-Seite seines Ministeriums veröffentlicht wurde. Dies stelle die Zukunft der BBC als unabhängige Medienorganisation in Frage.
Bisher seien Tendenzen zur Gleichschaltung der Medien nur in den USA aufgefallen, hieß es in der Erklärung weiter. Es wäre bedauerlich, wenn nun auch Europa in eine solche Atmosphäre abfalle.
Dyke sauer
Einen Tag nach seinem Rücktritt hat der ehemalige BBC-Generaldirekor Greg Dyke scharfe Kritik an der Hutton- Kommission geübt. Es sei "bemerkenswert", wie sehr zugunsten der britischen Regierung und zulasten der BBC entschieden worden sei, sagte Dyke am Freitag in der BBC-Radiosendung "Today".
Dem privaten Fernsehsender GMTV sagte er, die Führung des Senders sei entsetzt über den Bericht des Ermittlungsrichters Brian Hutton gewesen. "Wir waren schockiert, wie schwarz-weiß er war." Die BBC habe zwar gewusst, dass ihre Reporter bei der Berichterstattung Fehler gemacht hätten, "aber wir konnten es nicht glauben, dass die allein bei uns gelegen haben sollen".
Trotz des Hutton-Berichts hält die britische Bevölkerung mehreren Umfragen zufolge die BBC für glaubwürdiger als die Regierung von Premier Blair. Der "Daily Telegraph" veröffentlichte am Freitag eine Befragung, in der 67 Prozent angaben, sie glaubten, dass die BBC die Wahrheit sage. Nur 31 Prozent sagten das Gleiche von der Regierung. Auf die Frage, ob sie glaubten, dass der Hutton-Bericht Blair "weiß gewaschen" habe, antworteten 51 Prozent mit Ja. (apa)
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