Israel & Hisbollah-Miliz: Austausch der Gefangenen
- Schwieriges Unternehmen erfolgreich!
- Aktion unter deutscher Vermittlung von Selbstmordanschlag mit 11 Toten überschattet
·Terror in Israel
Anschlag in Bus: 11 Tote in Jerusalem
·Gaza-Invasion
Israels Armee tötet 9 Palästinenser
Der größte Gefangenenaustausch seit zwei Jahrzehnten im Nahostkonflikt ist am Donnerstag unter deutscher Vermittlung erfolgreich abgeschlossen worden. Auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn übernahmen israelische Gesandte die Leichen von drei israelischen Soldaten sowie einen Geschäftsmann, die zuvor von den libanesischen Hisbollah-Milizen übergeben worden waren.
Sie flogen in einer israelischen Militärmaschine nach Tel Aviv. Im Austausch brachte ein deutscher Luftwaffen-Airbus etwa 30 von Israel freigelassene Araber nach Beirut. Unter ihnen soll auch der Deutsche Steven Smyrek gewesen sein.
Beide Gruppen waren am frühen Donnerstagmorgen in Köln-Bonn angekommen. Gleichzeitig ließ Israel im Westjordanland und im Gaza-Streifen über 400 Palästinenser frei und übergab die Leichen von etwa 60 Hisbollah-Kämpfern.
Trotz eines schweren palästinensischen Selbstmordattentats am Morgen in Jerusalem, bei dem elf Menschen getötet wurden, verlief der Gefangenenaustausch ohne Zwischenfälle.
Die Vereinbarung zwischen Israel und der Hisbollah war unter monatelanger Vermittlung des Geheimdienstkoordinators im deutschen Kanzleramt, Ernst Uhrlau, zu Stande gekommen. Die Hisbollah übergab der deutschen Seite in Beirut den israelischen Geschäftsmann Elhanan Tennenbaum und die sterblichen Überreste von drei Soldaten. Die dann am frühen Morgen fast zeitgleich in Tel Aviv und Beirut gestarteten Flugzeuge landeten nach Augenzeugenberichten kurz vor 07.00 Uhr in Köln. Sie wurden sofort in Hangars gebracht, wo israelische Militärexperten die drei Leichen zweifelsfrei identifizierten.
Uhrlau und der Chef des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, begleiteten den Austausch bis zum Schluss, wie es in Berliner Regierungskreisen hieß. Außenminister Joschka Fischer dankte den Sicherheitsdiensten, die den Austausch nach jahrelanger Vorarbeit zum Erfolg geführt hätten. Der Grünen-Politiker lehnte es ab, sich direkt zu der Aktion äußern.
Die Hisbollah hatte erst kurz vor der Übergabe den Tod der drei Soldaten offiziell bestätigt. Sie waren im Oktober 2000 verschleppt worden. Ihre Leichen sollten am Donnerstagabend auf dem Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv mit militärischen Ehren empfangen werden.
Tennenbaum, der nach Medienberichten im Rahmen krimineller Geschäfte in den Libanon gelockt wurde, sollte nach seiner Ankunft in Israel zunächst seine Familie sehen und ärztlich versorgt werden. Kurz darauf wollte der israelische Geheimdienst den chronisch kranken Mann verhören. Es wurde betont, Tennenbaum werde "nicht wie ein Held empfangen".
Unter den Häftlingen Israels sollten auch die Guerillaführer Scheich Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani sowie der Deutsche Steven Smyrek sein. Der wegen Verstrickung in den Terrorismus verurteilte Smyrek weigerte sich nach israelischen Medienberichten, in Deutschland zu bleiben und flog in den Libanon zurück. Er war 1999 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.
Ein anderer Freigelassener, ein syrischer Kurde, ersuchte in Deutschland um Asyl. Das Gesuch stellt er schriftlich über einen Anwalt, wie das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge in Nürnberg mitteilte. Nach Angaben von Kurden, die ihn am Flughafen erwarteten, war er aus der syrischen Armee desertiert und nach Israel geflohen, wo er als mutmaßlicher Spion inhaftiert wurde.
Die deutschen Behörden hatten über den gesamten Ablauf des Gefangenenaustauschs eine Nachrichtensperre verhängt. Unklar blieb zunächst auch, nach welchen Kriterien die freigelassenen Gefangenen ausgewählt worden waren. In Israel hieß es, die etwa 400 palästinensischen Häftlinge hätten "kein Blut an den Händen". Nach Angaben der Palästinenser hatten sie zumeist nur noch kurze Haftstrafen abzusitzen.
Mitarbeiter vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK), darunter ein Arzt, begleiteten die Gefangenen auf ihrem Weg nach Deutschland. Mit allen Häftlingen seien in den vergangenen Tagen Einzelgespräche geführt worden, ob sie mit dem Austausch und den Bedingungen einverstanden seien, sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal in Genf.
Selbstmordanschlag ausgerechnet am selben Tag
Überschattet wurde die Austauschaktion von dem neuen Selbstmordanschlag auf einen Bus in Jerusalem unweit des Amtssitzes von Ministerpräsident Ariel Sharon. Außer dem Attentäter - einem 24- jährigen palästinensischen Polizisten - starben zehn Menschen. Mehr als 50 Fahrgäste und Passanten wurden verletzt.
Wenig später bekannten sich die Al-Aksa-Brigaden zu dem Anschlag. In einer Videoaufzeichnung, die im Westjordanland verbreitet wurde, erklärte der Täter, seine Aktion sei ein Racheakt für die Tötung von neun Palästinensern am Vortag durch die israelische Armee in Gaza.
(apa/red)
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