Studiengebühren in Großbritannien: Verdreifachung geplant
- Blairs Uni-Reform in der eigenen Partei heftig umstritten
Ausgerechnet das Thema Studiengebühren ist in Großbritannien zu einer Art Schicksalsfrage für Premierminister Tony Blair geworden. Angesichts von möglicherweise mehr als 80 Gegenstimmen aus den eigenen Reihen bei der entscheidenden Abstimmung warnte die Regierung parteiinterne Kritiker vor einer Niederlage.
Zwar verfügt Blair im Londoner Unterhaus über eine komfortable Mehrheit von 161 Stimmen - sollte jedoch die gesamte Opposition geschlossen gegen die Reform stimmen, würden 81 rebellierende Labour-Abgeordnete ausreichen, um das Vorhaben der Regierung zu Fall zu bringen.
Blair sieht in der Abstimmung einen wichtigen Härtetest für die Bereitschaft seiner Partei, ihm bei seiner breit angelegten Reform des öffentlichen Dienstes in Großbritannien zu folgen. Es geht um eine mögliche Verdreifachung der Studiengebühren an den staatlichen Universitäten von derzeit maximal 1100 Pfund (rund 1600 Euro) pro Jahr auf maximal 3000 Pfund (rund 4360 Euro) ab dem Jahr 2006 - für viele Abgeordnete von Blairs regierender Labour-Partei eine Zumutung und ein Verrat an ihrer Wählerschaft.
Um ein Scheitern Blairs zu verhindern, machte Bildungsminister Charles Clarke an die Parteirebellen das Zugeständnis, dass die Universitäten die Obergrenze von 3000 Pfund bis zu den nächsten Wahlen 2009 nicht überschreiten dürfen. Die Gegner der Reform fürchten, dass ein Damm brechen könnte und große Universitäten wie Cambridge oder Oxford bis zu 15.000 Pfund jährlich verlangen könnten. In jedem Fall sieht das Gesetz vor, dass die Studenten die Gebühren erst nach ihrem Examen bezahlen müssen - wenn sie eine Arbeit finden, die mehr als den Mindestlohn von jährlich 15.000 Pfund einbringt.
(apa, red)
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