Montag, 26. Jänner 2004

Staatsbesuch Klestils im Iran: Zufriedenstellende Bilanz

  • Bundespräsident: Iran politisch von strategischer Bedeutung
  • Abschied von Teheran unter dichten Schneeflocken

In beidseitiger Zufriedenheit wurde heute, Dienstag, der österreichische Staatsbesuch in der Islamischen Republik Iran abgeschlossen. In der derzeitigen politischen Lage in der Region, im Nahen Osten wie im Irak, "kommt dem Iran besondere politische Bedeutung zu", sagte Bundespräsident Thomas Klestil in der Abschlusskonferenz vor der Presse in Teheran.

Österreich unterhalte mit dem Iran traditionell gute Beziehungen, die auf die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechte ausgerichtet seien.

In der gegenwärtigen "wichtigen Phase der innen- und außenpolitischen Entwicklung im Iran wollte ich die Überzeugung vermitteln, dass eine Politik der Öffnung von Nutzen für den Iran wie für Europa ist", sagte das österreichische Staatsoberhaupt. Eine solche Politik sei "ein Beitrag zu Frieden, Sicherheit und Stabilität in der Region".

Zur Atomfrage sagte Klestil, jetzt gehe es um "die vollständige Umsetzung dieser Vereinbarungen", um die Staatengemeinschaft von deren Ernsthaftigkeit zu überzeugen.

Klestil drückte die Hoffnung aus, dass der Iran und die EU bald wieder über ein Assoziierungs- und Kooperationsabkommen verhandeln werden. Das Besuchsprogramm für seine Frau habe einen guten Einblick in die "Stellung der Frau im Iran" vermittelt. Klestil schloss mit den Worten: "Wir haben die wirtschaftliche Zusammenarbeit ein großes Stück weitergebracht."

Der iranische Staatspräsident Seyed Mohammad Khatami stimmte mit Klestil überein, dass aus verschiedensten Gründen, "die Lage absolut günstig ist für die weitere Kooperation". Im politischen Bereich habe er mit Klestil "sehr konstruktive Gespräche geführt".

Im atomaren Bereich sagte er die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der IAEO (Internationale Atomenergie-Behörde) zu: "Denn wir haben nichts zu verstecken und überhaupt keine Absicht, uns Atomwaffen anzueignen." Die Vereinbarung beruhe "auf Gegenseitigkeit", auch die andere Seite müsse ihre Verpflichtungen erfüllen. Die Region solle nach Wunsch des Iran zu einer atomwaffenfreien Zone werden.

Klestil und seine umfangreiche Delegation nahmen von einem winterlichen Teheran Abschied und konnten sich so vor dem Abflug auf die Heimat einstimmen. Die weitläufige Saadabad-Palastanlage war in eine dichte Schneedecke gehüllt, als der Bundespräsident von seinem Gastgeber Khatami mit militärischen Ehren verabschiedet wurde.
(apa, red)

26.1.2004 22:26