Montag, 26. Jänner 2004

Keine Beweise für Massenvernichtung: Bush und Blair zunehmend unter Druck

  • Britischer Außenminister Straw "enttäuscht" über erfolglose Suche

Die ausbleibenden Beweise für die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen bringen die Regierungen der USA und Großbritanniens immer mehr unter Druck. Der britische Außenminister Straw zeigte sich am Montag "enttäuscht" über die erfolglose Suche. In den USA forderte der führende demokratische Präsidentschaftsbewerber John Kerry eine Untersuchung über die Kriegsgründe.

Straw sagte am Rande des EU-Außenministertreffens in Brüssel, die Entscheidung für einen Krieg sei heute noch genauso gerechtfertigt wie vergangenen März, weil der Irak den internationalen Frieden bedroht habe. Zudem habe die britische Regierung nie behauptet, dass der Irak eine unmittelbare Bedrohung für Großbritannien darstelle. US
-Vizepräsident Cheney ging in einer Rede vor dem italienischen Senat nicht auf die Frage der irakischen Massenvernichtungswaffen ein.

Kerry warf der US-Regierung vor, die vom Irak ausgehende Bedrohung übertrieben zu haben. "Wir wurden in die Irre geführt, nicht nur von den Geheimdiensten, sondern auch in der Art und Weise, wie uns der Präsident in den Krieg geführt hat", sagte Kerry. Erst am Wochenende hatte US-Außenminister Powell öffentlich bezweifelt, dass der Irak jemals Massenvernichtungswaffen gehabt habe.

Der britische Premier Blair sieht sich jedenfalls am Mittwoch auch mit der Veröffentlichung eines mit Spannung erwarteten Untersuchungsberichts zum augenscheinlichen Selbstmord des Biowaffenexperten David Kelly im Sommer konfrontiert. Kelly war die Schlüsselfigur bei den Anschuldigungen, Blairs Regierung habe Geheimdienstmaterial aufgebauscht, um die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit des Irak-Krieges zu überzeugen. (apa)

26.1.2004 15:45