Montag, 26. Jänner 2004

Rai uno: Journalisten-"Revolte" gegen pro-Berlusconi-Berichterstattung

  • Vize-Chefredakteurin zurückgetreten, Starjournalisten unterzeichnen Solidaritäts-Brief

Die angeblich stark regierungsfreundliche politische Berichterstattung des italienischen Staatssenders RAI 1 (raiuno) hat zu einer internen Journalistenrevolte geführt. Vize-Chefredakteurin von RAI 1, Daniela Tagliafico, reichte aus Protest gegen Nachrichtenchef Clemente Mimun ihre Demission ein. Mimun wurde beschuldigt, RAI 1 als Sprachrohr der Regierung Berlusconi zu verwenden.

Tagliafico entschloss sich zum Rücktritt, nachdem RAI 1 am Wochenende ausführlich über das zehnte Jubiläum des Einstiegs von Regierungschef Berlusconi in die Politik berichtet hatte.

Dutzende von Starjournalisten des Staatsfernsehens unterzeichneten einen Solidaritätsbrief mit Tagliafico, die erklärt hatte, nicht mehr in der Lage zu sein, für eine ausgewogene politische Berichterstattung zu sorgen. "Tagliaficos Rücktritt ist Ausdruck eines tiefen Unbehagens der RAI-Journalisten", sagte der Abgeordnete der oppositionellen Linksdemokraten und Ex-RAI-Journalist Giuseppe Giulietti. "Man versucht, die berufliche Autonomie der RAI-Journalisten auszuschalten", meinte der Gewerkschaftssprecher der RAI-Redakteure, Roberto Natale.

Chefredakteur Mimun wies die Vorwürfe zurück. Er habe niemals die Autonomie der Redakteure eingeschränkt. Er erklärte sich zum Opfer einer unmotivierten politischen Attacke. RAI 1 sei stets um eine ausgewogene Berichterstattung bemüht, sagte er.
(apa, red)

26.1.2004 13:54