Mittwoch, 21. Jänner 2004

Kampf um die Hofburg: Fischer hat Vorsprung auf Ferrero ausgebaut

  • Fischer führt mit 44 zu 36 Prozent gegen Ferrero
  • Schlammtschlacht: Duell startet mit derben Untergriffen

  • Umfrage-Duell: Fischer baut Vorsprung vor Ferrero-Waldner aus. Sticht im Finale noch die Frauen-Karte?
  • Interview-Duell: Die Präsidentschafts-Bewerber im NEWS-Check.

    Das kann ja heiter werden: Montagabend, ein SPÖ-Pensionistentreffen in Wien-Margareten. Die roten Senioren feiern eine politische Weihestunde für Heinz Fischer. Bis plötzlich eine Dame, die rasch den schwarzen Döblinger Regimentern zugeordnet ist, aufsteht: „Stimmt es, dass Heinz Fischers Vater hochrangiger Funktionär der Hitler-Jugend war?“ – „Das musste ja kommen, wenn Kurt Bergmann, der als ÖVP-Wahlkampfleiter 1979 ‚Rangers‘ zur Agitation in die Veranstaltungen Bruno Kreiskys schickte, für Benita Ferrero-Waldner wahlkämpft“, schüttelt einer der SP-Pensionisten den Kopf.

    Auch wenn Heinz Fischers Vater wegen seiner NS-Gegnerschaft 1938 Job und Wohnung verlor, wegen „Wehrunwürdigkeit“ nicht einmal in die Wehrmacht einberufen wurde – der Kratzer am Image des linken Säulenheiligen geht tief. Und wenn einer wie Kurt Bergmann, den Gerald Freihofner in der „Wochenpresse“ einst als „Killerhai im schwarzen Karpfenteich“ bezeichnete, angreift, dann weiß man, dass die ÖVP zum beinharten Kampf rüstet.

    Fischer baut Vorsprung aus. Die hochgradige Nervosität, die bei einer VP-Koordinationssitzung Montagabend herrschte – ein Teilnehmer: „Die coachen und coachen Ferrero-Waldner, bis sie am Ende so wie Viktor Klima dasteht“ –, ist leicht erklärt: Laut aktueller NEWS-Gallup-Umfrage von Anfang dieser Woche, der ersten, bei der beide Kandidaten schon offiziell im Ring standen, hat SP-Kandidat Heinz Fischer seinen bisher knappen Vorsprung deutlich ausgebaut: Er liegt mit 44 Prozent exakt acht Prozentpunkte vor VP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner mit 36 Prozent – ein Vorsprung, der nicht leicht aufzuholen ist. Verloren ist freilich noch lange nichts: Mehr als eine Million Wähler und Wählerinnen, also insgesamt 20 Prozent, sind noch unentschlossen. Mit einem furiosen Wahlkampf à la Thomas Klestil 1992, ist alles drin, kalkuliert man am Parkring 12, dem künftigen Sitz der VP-Wahlkampfzentrale.

    FPÖ-Wähler fast gleich verteilt. Die Stärke-Schwäche-Analyse der NEWS-Gallup-Umfrage zeigt, wo beide Kandidaten noch zulegen oder verlieren können: Heinz Fischer punktet besonders bei Männern (51 Prozent), bei ganz Jungen und Älteren, in den Großstädten und bei Grün-WählerInnen (54 Prozent). Überraschend ausgeglichen reagieren bisher die deklarierten FP-AnhängerInnen: 37 Prozent würden Fischer wählen, Ferrero-Waldner hat – trotz offizieller Unterstützung von Jörg Haiders Libyen-Trip, der ihr auch noch Ungemach mit der Kärntner ÖVP beschert – mit 40 Prozent nur knapp die Nase vorn.

    Ferrero bei Frauen voran. Sie punktet stark bei Frauen (43 Prozent), Jungen (39 Prozent), Hausfrauen (45 Prozent) sowie den Besserverdienern (46 Prozent). Bei den Grünen erreicht sie immerhin 29 Prozent der Öko-WählerInnen.

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    PLUS: NEWS-Gallup-Umfrage: Fischer führt mit 44 zu 36 %
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    21.1.2004 16:32