Mittwoch, 21. Jänner 2004

Prüfung im Dschungel: Österreicher fürs Grusel-TV

  • Von Lugner bis Westenthaler: Wer bei einer Österreich-Ausgabe der Dschungelshow den Kampf mit Larven und Spinnen aufnehmen will

Dass Lugners einmal Würmer verzehren müssten, haben wir – finanzielle Probleme hin oder her – denn doch nicht vermutet. Anders ist die Situation, wenn eine Kamera in der Nähe ist. Da würde das hohe Paar vermutlich auch einen Königstiger beißen. Oder sich in Frack und Robe kopfüber in den Dschungelschlamm stürzen.

Am vergangenen Dienstag konnte NEWS ein vages Vorausgrollen solcher medialer Exzesse anbahnen: Baumeisterin Christina Lugner pflog auf unser Betreiben im Regenwaldhaus des Schönbrunner Tiergartens Umgang mit einer bedenklich anzusehenden Gespensterschrecke (Aretaon asperrimus). Von NEWS vor Ort geschaffte Prominentenkollegen wie Gerda Rogers, Peter Westenthaler, Sängerin Niddl oder Mime Serge Falck führten zum Teil sogar ekles Gewürm zum Mund.

Vielleicht war das NEWS-Happening Qualifikation und Generalprobe in einem: Sollten die Quoten für die ATV+-Serie „Die Lugners“ einmal nicht mehr stimmen, stünde für das Paar samt Gleichgesinnten schon das gottgegebene Nachfolgeformat bereit.

Womöglich sogar beim Stammsender: ATV+ überlegt, das bundesdeutsche Fernsehvorkommnis „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ zu kopieren. Mehr oder weniger namhafte Menschen ließen sich da in Diensten von RTL in ein australisches Dschungelcamp sperren, um
dort Scheußlichkeiten aller Art zu erdulden.

„Ich bin ein Star.“ Die Sache, in Deutschland ein umkreischter Quotenhit mit acht Millionen Sehern, hat längst auch auf Österreich übergegriffen. Bemerkenswerte 250.000 Landsleute verfolgten bis Diensatg, wie zehn deutsche Show-Existenzen mit verbleichendem Promi-Faktor Übles erdulden.

Deutschlands „Superstar“ Daniel Küblböck wurde in einem Glassarkophag mit 30.000 Kakerlaken überschüttet und brach unter wohltönendem Weinen zusammen. Sänger Werner Böhm kroch in den „Tunnel des Grauens“, um mit dem Mund aus Aalschleim, Mehlwürmern und flohbefallenen Straußenfedern Sterne zu fischen. TV-Moderatorin Caroline Beil und Kabarettistin Lisa Fitz traten zur „Höllischen Bootsfahrt“ an: Während sie – eine Metapher für den irdischen Ruhm schlechthin – nach Sternen haschten, wurden Kisten mit Fliegenlarven, Kakerlaken, Mehlwürmern und Aalschleim über ihnen entleert. Auch Costa Cordalis fischte nach Sternen, und zwar mit dem Kopf in einer Kis-te Riesenspinnen. Die Viecher scheinen unmusikalisch gewesen zu sein, denn sie taten ihm nichts.

Am Ende jeder Sendung stimmte das Publikum via Telefon und Internet ab, wer das Camp verlassen muss. Am vergangenen Dienstag wurde dann zwischen Costa Cordalis, Daniel Küblböck und der Kabarettistin Lisa Fitz der „Dschungelkönig“ ermittelt. Letztgenannte wurde wegen ihrer Mitwirkung am Grauslichkeitsmarathon von ihrem öffentlich-rechtlichen Stammsender gefeuert. Costa Cordalis wurde Dschungelkönig.

Dschungel-TV in Österreich? Klar, dass Österreich da nicht nachstehen will. ATV+-Boss Franz Prenner zu NEWS: „Das ist ein Format, das sehr gut zu uns passt. Denn ich glaube, dass vor allem Privatfernsehen die Aufgabe hat, dem Zuschauer solche spektakulären Bilder zu liefern. Damit kann man zeigen, dass man mit eisernem Willen Berge versetzen kann. Es muss aber nicht ganz genau so ablaufen wie auf RTL. Das größte Problem ist für uns noch die Finanzierung. Aber wir haben uns schon günstigere Formate in Südafrika angesehen. Ich glaube, dass manche Persönlichkeiten damit eine gewisse Sympathie bei den Österreichern wiedererlangen können.“

Der NEWS-Dschungel-Test. Das hat unsere Phantasie beflügelt. Wir fragten bei medienbekannten Österreichern nach, wer denn als allfälliger Kandidat zur Verfügung stünde.

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21.1.2004 15:44