Sonntag, 25. Jänner 2004

Cirio-Bankrott: Haftantrag gegen Ex-Chef Cragnotti

  • Der 59-Jährige hat Tausende von Anlegern geprellt

Die Staatsanwälte, die in Sachen Bankrott des italienischen Lebensmittelkonzerns Cirio ermitteln, haben bei einem Untersuchungsrichter in Rom einen Haftantrag für den Ex-Präsidenten der Nahrungsmittelgruppe, Sergio Cragnotti, eingereicht. Cragnotti, der vor einem Jahr die Führung des insolventen Konzerns verlassen hatte, wird des betrügerischen Bankrotts beschuldigt.

Mit der Emission von Cirio-Anleihen, die nach der Pleite des Konzerns wertlos sind, hatte der 59-jährige Cragnotti Tausende von Anlegern geprellt, behaupten die Staatsanwälte. Laut den Ermittlern soll Cragnotti verhaftet werden, weil er für die Untersuchung wichtige Beweise unterschlagen könnte. Die Ermittler verdächtigen Cragnotti, Millionen von Euro aus dem Unternehmen in Steuerparadiese transferiert zu haben.

Unter der Führung von Cragnotti hatte die Cirio-Gruppe Schulden von insgesamt 1,6 Milliarden Euro angehäuft. Der Untersuchungsrichter soll in den kommenden Tagen über den Verhaftungsantrag der römischen Richter gegen Cragnotti entscheiden. Der Konzern, der sich unter der Leitung von drei Insolvenzkommissaren befindet, soll in den nächsten Monaten zerschlagen und verkauft werden.

Die Finanzskandale häufen sich in Italien. Seit Samstag befinden sich der am Donnerstag zurückgetretene Präsident der börsennotierten italienischen Softwarefirma Finmatica, Pierluigi Crudele, und der Geschäftsführer der Gruppe, Fabio Bottari, unter Hausarrest. Crudele, Bottari und weitere fünf Manager der Firma gerieten wegen angeblicher Falschangaben in der letzten Bilanz und in Quartalsberichten sowie Kurstreiberei in den Sog der Ermittlungen. Sie sollen die Schulden der Firma vertuscht haben. (APA)

25.1.2004 11:18