Fusionsfieber an der Börse: Sanofi soll Aventis schlucken
- Aventis will mögliche feindliche Übernahme abwehren

Der französisch-deutsche Pharmakonzern Aventis will offenbar seine Verteidung gegen eine milliardenschwere Übernahmeofferte des Wettbewerbers Sanofi-Synthelabo auf Bewertungsfragen aufbauen. Investmentbanken seien bereits Mandate zur Beratung erteilt worden, hieß es am Freitag in mit der Situation vertrauten Kreisen in London. "Die vorrangige Verteidigungsstrategie jetzt, ist klar zu machen, dass mehr Wert im Unternehmen steckt als der Markt gegenwärtig der Aktie zuspricht", hieß es.
Spekulationen um eine Übernahmeofferte von Sanofi im Volumen von 60 Mrd. Dollar (47,3 Mrd. Euro) haben sich zugespitzt, nachdem die "New York Times" berichtet hatte, es könne möglicherweise noch am Freitag zu einem Angebot kommen. "Es scheint, als ob Sanofi eine feindliche Offerte dazu verwenden könnten, Aventis in eine 50/50-Fusion zu drängen", hieß es in den Kreisen. Aventis sei aber der Ansicht, dass dies einen weit höheren Aufschlag erfordere.
Bis zum frühen Nachmittag verloren Sanofi-Aktien an der Börse 5,5 Prozent auf 58,60 Euro. Aventis-Papiere zogen dagegen um 1,6 Prozent auf 57,50 Euro an.
Aus mit der Situation vertrauten Kreisen hieß es weiter, Aventis habe bereits die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley angeheuert, um mit ihrer Hilfe eine feindliche Übernahme abzuwehren. Auch die Investmentbank Rothschild sei mit im Boot zur Erarbeitung eines Abwehrplans. Unklar ist dagegen weiterhin, ob Sanofi seinerseits Banken mit einem Mandat beauftragt habe, das Unternehmen bei Offerten zu beraten. Aus Kreisen hieß es allerdings, dies werde wahrscheinlich der US-Investmentbank Merrill Lynch zufallen.
Spekulationen um einen Zusammenschluss beider Pharmakonzerne zur weltweiten Nummer Zwei der Branche waren in den vergangenen Tagen immer wieder aufgeflammt und hatten den Aktien der beiden Pharmafirmen kräftigen Auftrieb gegeben. Bei beiden Arzneimittelherstellern werden in diesem Jahr Patente von Top-Medikamenten angefochten. Daher ist nach Einschätzung von Experten ein Zusammenlegen der Medikamenten-Pipelines beider Konzerne durchaus attraktiv.
Unterdessen schloss Aventis-Chef Igor Landau am Freitag eine Fusion zu einem späteren Zeitpunkt nicht grundsätzlich aus.
Händler sagten in London, ein feindliches Offert könnte Aventis dazu veranlassen, einen Partner für eine freundliche Fusion zu suchen, um eine Übernahme durch Sanofi abzuwehren. Ein solcher "Weißer Ritter" könnte GlaxoSmithKline, AstraZeneca oder Procter & Gamble sein. Sprecher von GlaxoSmithKline und AstraZeneca nahmen zu den Gerüchten nicht Stellung.
Seit November waren immer wieder Spekulationen über eine Fusion der beiden Unternehmen aufgekommen. Auslöser dafür war die Entscheidung von L'Oreal und dem Ölkonzern Total, ihren Pakt über die Aktionärsstruktur bei Sanofi nicht zu verlängern. L'Oreal hält 20 Prozent an Sanofi, Total 24 Prozent.
(apa, red)
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