Mittwoch, 21. Jänner 2004

Belinda Stronach: Wenn ich Premierministerin wäre....

  • Neo-Politikerin hat durchaus Chancen auf Vorsitz der kanadischen Konservativen

"Wenn ich Premierminister wäre...." lautet der Titel eines vom Autozulieferer Magna gesponserten Aufsatzwettbewerbs. Belinda Stronach, Tochter des Magna-Konzerngründers Frank Stronach, hatte ein Jahrzehnt den Wettbewerb geleitet, selber aber nie einen Aufsatz geschrieben. Nun will die 37-Jährige in der kanadischen Politik zeigen, was ihre eigenen Vorstellungen vom Amt des Premierministers sind.

Belinda Stronachs Kandidatur kam nicht überraschend, denn schon seit der Fusion der beiden lange zerstrittenen konservativen Parteien Kanadas vergangenen Herbst waren die Spekulationen über Stronachs politische Ambitionen nicht abgerissen. Belinda Stronach habe eine "Katalysatoren-Rolle" zwischen den beiden Parteiführern gespielt, hieß es damals. Das politische Eigeninteresse der Magna-Chefin am Vorsitz der vereinten Konservativen wurde jedoch lange dementiert.

Den Wechsel vom Präsidentensessel der Holding eines 70.000 Mitarbeiter zählenden Konzerns auf die politische Bühne hat Belinda schließlich genau vorbereitet. Umringt von erfahrenen Polit-Strategen, unterstützt von honorigen Ex-Politikern und ausgestattet mit einer großen Wahlkampfkasse und einem professionellen Internet-Auftritt verkündete sie am Dienstag in ihrem Heimatort Aurora, nahe dem Magna-Firmensitz, die Kandidatur.

Ihre eigene politische Haltung beschreibt sie als "gemäßigt konservativ", als Polit-Forderungen nennt sie eine Steuersenkung und höhere Ausgaben für das Militär. Gegenüber der liberalen kanadischen Regierung positioniert sie sich ausgewogen: Einerseits lehnt sie die geplante Entkriminalisierung von Marihuana ab, andererseits lässt sie Zustimmung zur gleichgeschlechtlichen Ehe erkennen.

Doch Belinda Stronachs Chancen in der Politik werden davon abhängen ob sie sich als eigenständige Persönlichkeit profilieren kann. Denn obwohl sie auf die 40 zugeht konnte sich die zweifache Mutter nicht aus dem Schatten des übermächtigen Vaters lösen. "Ich bin in eine öffentliche Schule gegangen, ich bin nicht mit dem silbernen Löffel im Mund groß geworden", erklärte sie bei der Kandidatur.

Doch aufgewachsen am herrschaftlich anmutenden Anwesen beim Firmensitz in Aurora, wo sie noch immer lebt, und bereits mit 22 Jahren Mitglied des Magna-Boards ist ihr Lebensweg wohl doch eher untypisch für jemanden aus der "zweiten Generation" im Einwanderungsland Kanada, wie sie sich selber präsentiert.

Im Wahlkampf muss sie sich wohl auch unangenehme Fragen gefallen lassen, die ihr im Windschatten des reichen und mächtigen Vaters bisher erspart geblieben. Dass sie die zweite Landessprache in Kanada, Französisch, nicht beherrscht, könnte zum Handicap der Neo-Politikerin werden.

Auch dass sie zwar in zahlreichen Ehren-Gremien von Universitäten sitzt, selber aber nach einem Jahr die Universität verlassen hat, passt nicht ganz in das von ihr nach außen vermittelte Bild, sie hätte sich "alles selbst hart erarbeitet". Nach einem Jahr Studium werden 22-jährige Bewerber üblicherweise nicht in ein Spitzengremium eines weltweit tätigen Konzerns aufgenommen, da hilft es schon, die Tochter des Konzerngründers zu sein.

Trotz des in kanadischen Medien geäußerten Vorwurfs, sie sei immer noch "Papas kleines Mädchen", hat Belinda Stronach auf jeden Fall Chancen auf den Parteivorsitz der Konservativen. Zwischen den beiden Flügeln, den sozial gesinnten Progressiven und den rechtsorientierten Konservativen, könnte sie als Kompromisskandidatin durchaus erfolgreich auftreten.

Ohne Zweifel macht die Newcomerin die kanadische Politik bunter und für die Medien attraktiver " und für den Fall dass sie das Rennen um den Parteivorsitz nicht schafft tritt "Plan B" in Kraft: Sie strebt bei den nächsten Wahlen einen Parlamentssitz in ihrer Heimatsstadt an. Und sollte auch dies nicht gelingen wird sich im Magna-Konzern wohl wieder eine interessante Aufgabe für sie finden.
(apa, red)

21.1.2004 15:57