Pleiten-Statistik: Österreich in Europa im Spitzenfeld
- Studie: Insolvenzursachen sind meistens "hausgemacht"
- Pleitenrekord in Österreich: Über 10.000 Insolvenzen 2003
Mit insgesamt 10.142 Insolvenzen (Firmen und Private) erreichte die Zahl der Pleiten in Österreich im Vorjahr einen neuen Rekordwert. Die Alpenrepublik nimmt damit in Europas Pleitenstatistik einen Spitzenplatz ein. Insolvenzen seien zwar auch als positives Zeichen für Wirtschaftsdynamik zu sehen, allerdings nicht mehr dann, wenn die Insolvenzrate (Anzahl der Pleiten an der Anzahl der Unternehmen) so wie in Österreich deutlich über dem EU-Schnitt liegt, betonte der Chef des Unternehmensberaters A.T. Kearney in Österreich, Robert Kremlicka, bei der Präsentation einer Studie über die Insolvenzursachen.
Mit einer Insolvenzrate von 1,73 Prozent hält Österreich hinter Schweden (2,05 Prozent) den traurigen zweiten Platz in der europäischen Insolvenzstatistik, es folgen Dänemark mit 1,55 Prozent und Frankreich mit 1,54 Prozent. Die besten Plätze mit der niedrigsten Rate halten Italien mit 0,36 Prozent gefolgt von Großbritannien (0,41 Prozent) und Irland (0,54 Prozent).
Deutschland liegt mit 0,92 Prozent knapp über dem EU-Schnitt von 0,83 Prozent. Die gute Position Italiens begründete Kremlicka unter anderem damit, dass jene Länder, die einen hohen Grad an Schattenwirtschaft und einen großen Landwirtschaftsanteil haben, eine niedrige Insolvenzrate aufweisen. Zu berücksichtigen sei aber auch die regional unterschiedliche Schärfe des jeweiligen Insolvenzrechtes.
Wenn es gelingt, die Insolvenzquote in Österreich auf den EU-Schnitt zu senken, könnte rein rechnerisch die Hälfte des derzeit durch Insolvenzen vernichteten Werts, also rund 1,6 Mrd. Euro und rund 11.500 Arbeitsplätze, gesichert werden, betonte der Studienautor Karl Ertl. Echte Wertvernichter seien Großinsolvenzen. So waren im Jahr 2002 nur 1 Prozent der Firmenpleiten für 43 Prozent der gesamten Wertvernichtung verantwortlich. Schon mit der Vermeidung jedes zweiten dieser Firmenzusammenbrüche könnte man 700 Mio. Euro an Wert sichern.
Wie der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) in seinen jährlichen Untersuchungen feststellt, kommt auch die Kearney-Studie zu dem Schluss, dass "hausgemachte" Fehler in der internen Planung und Steuerung, im Finanzmanagement und im allgemeinen Management die Hauptursachen für Firmenpleiten sind. Zwei Drittel der Unternehmen sind an der Insolvenz selber schuld und hätten diese vermeiden können.
2003 gab es in Österreich wie berichtet rund 5.600 Firmenpleiten, die Passiva betrugen rund 2,4 Mrd. Euro. Im Schnitt waren vier Dienstnehmer je Insolvenz betroffen. (APA/Red.)
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