Freitag, 23. Jänner 2004

Kärntner SP-Wahlkampf: Gusenbauer zitiert Evangelium

  • Alfons Haider zog seinen Namensvetter "durch den Kakao"
  • Attacken gegen Haider: Ambrozy vergleicht Landeshauptmann mit Schnupfen

Rund 1.400 Parteianhänger und Funktionäre haben am Samstag am offiziellen Wahlkampf-Auftakt der Kärntner SPÖ für die Landtagswahl am 7. März in Kärntens größtem Kinozentrum, der CineCity in Klagenfurt, teilgenommen. Parteichef Gusenbauer zitierte bei seinen Attacken gegen ÖVP und FPÖ sogar das Matthäus-Evangelium.

Die Veranstaltung wurde nach übereinstimmender Meinung der anwesenden Journalisten so gut wie perfekt inszeniert, wofür schon ein blendend disponierter Alfons Haider als Moderator sorgte. Alfons Haider bezeichnete sich beim SP-Wahlkampf-Start als persönlicher Freund des Kärntner Spitzenkandidaten LHStv. Peter Ambrozy.

"Lasst uns dieses Land befreien"
Der Schauspieler Haider sorgte schon zu Beginn der Veranstaltung für heitere Stimmung, als er seinen Namensvetter, den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (FP), im wahrsten Sinn des Wortes "durch den Kakao zog". Alfons Haider, der schon im oberösterreichischen Wahlkampf von der dortigen SPÖ engagiert worden war, konfrontierte die Teilnehmer am Wahlkampf-Auftakt aber auch mit knallharter Parteipolitik: "Dieses Land hat so viel durchmachen müssen", behauptete er über Kärnten. Und weiter: "Lasst uns dieses Land endlich befreien, durch Peter Ambrozy und seine SPÖ!"

Gusenbauer greift zur Bibel
SPÖ-Bundesvorsitzender Alfred Gusenbauer bemühte beim Wahlkampf-Auftakt der Kärntner Sozialdemokraten am Samstag sogar das Matthäus-Evangelium, um zu dokumentieren, was er vom ÖVP-Versprechen hält, die Wiederwahl Jörg Haiders zu verhindern. "Aber ehe der Hahn drei Mal kräht, wird die Kärntner ÖVP die Kärntnerinnen und Kärntner wieder verraten haben."

Gusenbauer zeigte sich am Samstag beim offiziellen Wahlkampf-Auftakt der Kärntner SPÖ in Klagenfurt vom Sieg seiner Partei bei der Landtagswahl überzeugt: "Am 7. März ist Jörg Haider nicht Zukunft sondern Vergangenheit, und wir werden dafür sorgen." Gusenbauer bezog sich damit auf die FPÖ-Plakatserie mit dem Slogan "Haider ist Zukunft".

Scharfe Häme Richtung Jörg Haider
"Diese Plakate wurden wahrscheinlich schon 1999 gedruckt und aus Geldmangel jetzt aufgehängt", ätzte Gusenbauer in Richtung FPÖ. Haider habe nach seinen Worten vor fünf Jahren "die Chance gehabt", allerdings sämtliche Wahlversprechen seien "von ihm persönlich gebrochen" worden. Der SPÖ-Chef erwähnte in diesem Zusammenhang die Versprechungen bezüglich Strompreis- und Mietensenkung sowie eines wirtschaftlichen und sozialen Aufschwunges. Nichts davon sei realisiert worden. Gusenbauer: "Solche Leute verdienen das Vertrauen nicht!"

Aber auch die Spitzenkandidatin der ÖVP, Elisabeth Scheucher, ließ Gusenbauer nicht ungeschoren. Diese würde "in Kärnten herumlaufen und auf sozial machen", habe aber im Parlament in Wien alle "Grauslichkeiten", wie Pensionsreform, Unfallrentenbesteuerung, Ambulanzgebühr und Kürzung der Bildungsausgaben mit beschlossen.

Gusenbauer glaubt ÖVP kein Wort
Gusenbauer glaubt auch nicht an die Zusicherung der Kärntner ÖVP-Spitze, die Wiederwahl Haiders verhindern zu wollen: "Das Versprechen der Frau Scheucher, Haider nicht zu wählen, wird halten bis zum 7. März."

"Schnupfen"
Der Kärntner SPÖ-Vorsitzende LHStv. Peter Ambrozy verglich LH Haider mit einem Schnupfen. Auf die rhetorische Frage, was Haider mit dem Schnupfen gemein habe, gab er als Antwort: "Das ist ganz einfach, von beidem haben die Leute die Nase voll." (APA/red)

23.1.2004 22:20