Donnerstag, 22. Jänner 2004

Medien-Schelte: "Ferrero-Waldner hat wenig zu bieten"

  • "Schüssels Erfindung" - "in Brüssel eine Randfigur", die "niemanden inspiriert"
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Österreichs "Kanzler Wolfgang Schüssel schickt seine Außenministerin ins Rennen. Doch sie hat wenig zu bieten", schreibt die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit". "Im Amt hat die Dame vom Ballhausplatz bisher keine Spuren hinterlassen. In Brüssel blieb sie eine Randfigur, immer noch lächelnd, jetzt aber ohne Kampfauftrag, eine Dame zum 'Einweihen von Chrysanthemen', wie die Franzosen sagen."

"Gemessen am Interesse, das Außenminister anderer mittelgroßer Staaten wecken, Georgios Papandreou aus Griechenland oder Louis Michel aus Belgien, ganz zu schweigen von der im September ermordeten Schwedin Anna Lindh, fällt Frau Ferrero auf durch das Desinteresse, das sie auslöst. Sie wirkt selbst uninspiriert und inspiriert niemanden."

"Nun, da die konservativ-katholische Außenministerin von der christdemokratischen Volkspartei offiziell zur Kandidatin gekürt ist, geht es zumindest um das Prestige der Kanzlerpartei: Kann sie die Kandidatin des Kanzlers beim Volk durchsetzen? Oder gelingt den 'Roten', wie die Sozialdemokraten in strenger Abgrenzung zu den 'Schwarzen' immer noch heißen, mit ihrem Kandidaten, dem ob seiner Makellosigkeit fast schon langweiligen Musterpolitiker Heinz Fischer, zum ersten Mal seit der Haider/Schüssel-Wende vor vier Jahren ein Wahlerfolg? Kein Unglück, würde der Wiener Kanzler sagen, aber ärgern tät's ihn schon. Denn schließlich hat Wolfgang Schüssel 'die Benita' erfunden."

"Von Schüssel selbst stammt der Markenname 'Kampflächeln'. Mit dieser mimischen Wunderwaffe hat sie die schwierigste Phase ihrer Amtszeit überlebt, die 'Sanktionen' der 14 EU-Partner als Antwort auf die Koalition der ÖVP mit dem Rechtspopulisten Jörg Haider. Das war die große Zeit der Frau Ferrero: ihrer maskenhaft strahlenden Auftritte im Kreis der EU-Außenminister, die nicht so recht wussten, wie sie ihr entkommen sollten, ehe ein Fotograf den Small Talk dokumentieren konnte. Alle Beteiligten machten sich dabei ziemlich zum Narren, aber 'die Ferrero' hatte als - Pardon! - Underdog doch die leichtere Rolle und wurde belohnt: Daheim wuchs sprunghaft ihre Popularität. Als die Sanktionen sang- und klanglos begraben wurden, war sie auf dem Gipfel."

"Mehrmals hat sie für Österreichs NATO-Beitritt geworben, zuletzt in einem 2002 erschienenen Buch, für das sie als Autorin firmiert. Das aber war gestern. Heute passt es nicht. 2004 bekennt sie sich ebenfalls zu Österreichs Neutralität. Ein Gesinnungswandel? Na ja, ich bitt' Sie. Die Wahrheit, hat sie gesagt, sei eben eine 'Tochter der Zeit'. Ganz schön philosophisch, dieser Salto." (apa)

22.1.2004 14:23