Donnerstag, 22. Jänner 2004

Von der Sexhotline in die Hofburg: Wolfgang Pöltl will Präsident werden

  • Steirer ist wild entschlossen und hofft auf bis zu 20%. PLUS: Neueste Umfrage sieht Fischer klar vor Ferrero

Benita Ferrero-Waldner und Heinz Fischer sollten sich warm anziehen. Denn der Steirer Wolfgang Pöltl zieht wild entschlossen aus, das Duell um die Hofburg in einen Dreikampf umzuwandeln. Wie der Sexhotline-Besitzer im APA-Gespräch betont, hält er beim Urnengang 15 bis 20 Prozent für möglich. An einen Sieg will Pöltl allerdings zumindest noch nicht recht glauben: "Wir sind ja keine Illusionisten".

Überzeugt ist Pöltl, dass er die notwendigen 6.000 Unterstützungserklärungen zusammenbekommt. Schließlich erhalte er ständig positive Mails. Als sein Trumpf-Ass sieht es der selbstbewusste Kandidat, dass seine Homepage (http://www.bundespraesidentenwahl.at) schon seit einem Jahr zugänglich ist und im Schnitt täglich 8.000 Zugriffe aufweise. Außerdem sei er ständig erreichbar (die Telefonnummer findet sich auf Pöltls Homepage, Anm.): "Mit mir kann man immer reden und das kann man mit dem Herrn Fischer nicht".

Einen Gefallen hat Pöltl seiner Ansicht nach die VP-Kandidatin Ferrero-Waldner getan. Nach deren Festlegung, gegen die Homosexuellen-Ehe zu sein, hätten sich ihm Schwulen- und Lesben-Organisationen angeschlossen: "Ich glaube, auf Grund der Aussagen von Ferrero-Waldner einen Vorteil dazu bekommen zu haben".

Weniger glücklich ist der steirische Kandidat mit dem ORF. Pöltl verlangt, ebenso wie die beiden Favoriten Auftritte in der "Pressestunde" sowie in der "Zeit im Bild 1" zu erhalten. Eine entsprechende Beschwerde wurde bereits im Bundeskanzleramt eingebracht. Wenn bis zum 2. März keine Gleichstellung geschaffen worden sei, werde er die Wahl beim VfGH anfechten, droht Pöltl.

An einen Sieg bei der Wahl glaubt der Hotliner nicht wirklich. Wenn ihn der ORF entsprechend berücksichtige, werde er aber "relativ stark da sein". Konkret traut sich Pöltl 15 bis 20 Prozent zu. Unterstützung erhofft er sich von einem Komitee, das in den nächsten Wochen präsentiert wird. Da werde es noch einen "Knalleffekt" geben, kündigt Pöltl an, fänden sich doch unter den Unterstützern "hochrangige Persönlichkeiten aus dem Grazer Raum".

Dass es sich bei seiner Kandidatur um einen PR-Gag handelt, bestreitet Pöltl: "Meinen Kunden ist es absolut egal, ob ich kandidiere. Ich würde es auch machen, wenn ich Hausmeister wäre".

Angst, dass es sich mit der Präsidentschaftskandidatur nur um ein Strohfeuer handelt, brauchen Pöltl-Fans nicht haben: "Die Tendenz dazu, etwas zu bewegen, ist klar ersichtlich". Man brauche nicht glauben, dass sein Engagement mit dem Wahltag einschlafe. An eine Parteigründung denkt der hoffnungsfrohe Kandidat aber noch nicht.

Politisch stuft sich Pöltl übrigens als "eher im liberalen Bereich" ein. Die österreichischen Parteien gefallen ihm generell nicht. Deshalb würde Pöltl im Zweifelsfall auch keine Wahlempfehlung in einer Stichwahl abgeben - "weil beide aus politischen Richtungen kommen und keinesfalls unabhängig sein wollen".

Wolfgang Pöltl, geboren am 1. April 1961 im steirischen Eibiswald, hat eine bunte Berufslaufbahn hinter sich. Unter anderem verdingte er sich als Barpianist in Hamburg, als DJ in Tirol sowie als Entertainer und Künstlervermittler in Spanien. Heute ist er Direktor des internationalen Callcenters "European Callcentre LTD" und als Unternehmer, wie er sagt, "sehr erfolgfreich". Bundespräsident will Pöltl werden, weil in der Hofburg "ein Mann des Volkes" gehört. (apa)

22.1.2004 08:54