Sonntag, 25. Jänner 2004

WEF 2004: Open Forum zieht eine positive Bilanz

  • Aber: "Brücke" Wirtschaft - Globalisierungsgegner schwach
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Aus Sicht der Organisatoren des Open Forums ist der Brückenschlag zwischen Globalisierungskritikern und dem World Economic Forum (WEF) im Schweizer Kurort Davos gelungen. Die Brücke sei aber noch schwach, lautete die Bilanz. Der Präsident des evangelischen Kirchenbundes (SEK) forderte eine stärkere mentale Öffnung der WEF-Mitglieder. "Wir sind vor über einem Jahr mit dem Ziel auf das WEF zugegangen, eine Brücke des Dialogs zwischen Kritikern und Opfern der Globalisierung und dem WEF zu schlagen", sagte SEK-Präsident Thomas Wipf am Sonntag.

In seiner Bilanz zu der vom WEF, der SEK und ihrem Hilfswerk Brot für alle getragenen öffentlichen Diskussionsreihe sagte er, sie hätten erlebt, dass auch das WEF einen Teil der Brücke mitgebaut habe. "Die Zusammenarbeit unter den Co-Organisatoren war freundschaftlich, kritisch und partnerschaftlich." Als Gradmesser für den gelungenen Brückenschlag erwähnte Wipf, das grosse Interesse der Bevölkerung an den acht Diskussionen sowie die Zusammensetzung des Publikums. Insgesamt hätten 2.000 Menschen das Open Forum besucht. Der Großteil davon aus der Region Davos, ein ansehnlicher Teil aus WEF-Kreisen.

Wie viele Menschen aus der letzten Gruppe Wirtschaftsführer waren, blieb unklar. Auf dem Podium waren es fünf, was ein Mitglied der weltweiten NGO Friends of the Earth zur Bemerkung veranlasste, es seien zu wenig Vertreter der multinationalen Konzerne anwesend gewesen, damit ein Dialog Sinn mache. Christoph Stückelberger, Zentralsekretär von Brot für alle, entgegnete, dass es darum gehe, die anwesenden Unternehmensführer mit Argumenten herauszufordern. Wipf äusserte später, dass er seitens der WEF-Mitglieder eine stärkere mentale Öffnung erwarte.

Wipf setzte nach und appellierte an die Gruppen der Globalisierungskritiker, die sich nicht dialogwillig zeigten. Es brauche zwar deren Entschlossenheit und deren Druck von der Straße, doch dürften sie nicht in ihrem eigenen Fundamentalismus gefangen bleiben. Sei müssten den Dialog ebenfalls aufnehmen. "Wir haben am Open Forum keine Fragen gelöst", sagte Wipf weiter. Der Dialog müsse deshalb fortgeführt werden. Dazu brauche es sowohl das Open Forum, als auch das Weltsozialforum in Bombay oder die WEF-Gegenveranstaltung Public Eye. WEF-Direktor Andre Schneider, Christoph Stückelberger und Thomas Wipf waren sich einig: Die Bilanz ist positiv und die Bereitschaft da, die Gespräche im nächsten Jahr wieder aufzunehmen. (APA)

25.1.2004 18:12