Sonntag, 25. Jänner 2004

Kelly-Affäre: Keine Kritik an Blair in Abschlussbericht

  • Kein "Warnbrief" von Lordrichter Hutton an den Premier
  • PLUS: 61 Prozent der Briten halten Blair für einen Lügner!

Aufatmen dürfte für Tony Blair angesagt sein: Der britische Premierminister wird nach einem Zeitungsbericht im Untersuchungsbericht zum Selbstmord des Waffenexperten David Kelly nicht persönlich kritisiert. Der "Sunday Telegraph" begründete dies damit, dass Blair keinen entsprechenden "Warnbrief" von Lordrichter Hutton bekommen habe, der seinen Abschlussbericht an diesem Mittwoch in London präsentieren wird.

Die Zeitung berief sich auf Quellen im Umfeld Blairs. Einen solchen Brief erhielten nach den Angaben jedoch unter anderem Verteidigungsminister Geoff Hoon, der frühere Kommunikationschef Blairs, Alastair Campbell, sowie Verantwortliche der Rundfunkanstalt BBC.

Kelly war die Quelle für einen BBC-Bericht, in dem der Regierung das Aufbauschen eines Geheimdienstberichts über die Gefahren der vermeintlichen Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins vorgeworfen worden war. Der ehemalige UN-Waffeninspekteur geriet zwischen die Fronten eines Verbalkrieges zwischen der Rundfunkanstalt und Downing Street und nahm sich im Sommer vergangenen Jahres das Leben.

Unterdessen zweifelt Blair trotz der vergeblichen Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak weiterhin nicht an entsprechenden Geheimdienstinformationen. In einem Interview mit der Sonntagszeitung "The Observer" sagte er: "Ich glaube, dass die Geheimdienstinformationen korrekt waren und ich denke, am Ende werden wir eine Erklärung haben". (APA/red)

25.1.2004 15:27