Porträt: Florian Gerster
- Ein ungeliebter Erneuerer ohne Rückhalt in der BA
Knapp 22 Monate war Florian Gerster Vorstandsvorsitzender der deutschen Bundesanstalt für Arbeit, die seit kurzem einen neuen Namen hat: Bundesagentur (BA). Im Februar 2002 hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) seinen Parteifreund berufen, am 27. März trat Gerster sein Amt an.
Seit November 2003 stand Gerster in der Affäre um den Umgang der BA mit millionenschweren Beraterverträgen für den Umbau der Riesenbehörde in der Dauerkritik. Am Samstag stellte der Verwaltungsrat der BA fast einstimmig fest, dass das Vertrauensverhältnis gestört ist.
Gerster gilt als ungeliebter Erneuerer. Mit seinen Plänen für einen radikalen Umbau der Bundesanstalt, für tiefe Einschnitte in das Sozialsystem und seinem Konzept einer marktnahen Sozialstaatsreform machte sich der 54-Jährige viele Feinde. Vor allem in der rot-grünen Regierungskoalition sorgte seine Eigenwilligkeit immer wieder für Verdruss. Aber auch von Intrigen und Kampagnen gegen Gerster aus seiner eigenen Behörde war immer wieder die Rede.
Der aus Worms stammende Arztsohn ist älterer Bruder der ZDF- Journalistin Petra Gerster und Vater zweier Töchter. Der diplomierte Psychologe arbeitete zehn Jahre lang als freiberuflicher Personalberater. Seine bundespolitische Laufbahn startete Gerster 1987 mit dem Einzug in den Bundestag. 1991 wurde er ins rheinland- pfälzische Kabinett berufen, zunächst als Bundes- und Europaminister, von 1994 an als Sozialminister. (APA)
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