"Körperwelten": Uni Heidelberg erhielt Moskauer Leichen
- Anzahl der Körper aber nicht geklärt
Die Affäre um die Leichengeschäfte des "Körperwelten"-Erfinders Gunther von Hagens zieht weiter Kreise. Auch die Universität Heidelberg, der Hagens früher als wissenschaftlicher Mitarbeiter angehörte, hat nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" Anfang der neunziger Jahre Leichen aus Moskau erhalten. Um wie viele Körper es sich handelte und ob sie legalen Ursprungs waren, sei bisher unklar, berichtet das Blatt in seiner neuen Ausgabe.
Nach ersten Ermittlungen der Abteilung Innenrevision, die im Auftrag der Hochschule die Geschäfte des damaligen "Plastinationslabors" prüft, sei der Eingang der Leichen seinerzeit schlichtweg nicht registriert worden.
Hagens früherer Vorgesetzter, der Heidelberger Anatomie-Professor Wilhelm Kriz, bestätigte Körpertransporte aus Russland. Er erinnere sich daran, dass russische Kollegen formalinfixierte Leichen damals an das von Hagens geleitete Plastinationslabor geschickt hätten, sagte Kriz dem "Spiegel". Die Universität räumte dem Magazin zufolge ein, dass bis Mitte der neunziger Jahre in erheblichem Umfang mit plastinierten Leichenteilen gehandelt worden sei.
Nach Angaben von Kriz seien insgesamt "zwei bis drei Millionen Mark" aus dem Verkauf von menschlichen Präparaten an andere Medizininstitute auf ein "Drittmittelkonto" der Heidelberger Universität geflossen. Nach einer Dienstvereinbarung standen Hagens 15 Prozent der Einkünfte aus dem Plastinatitionsgeschäft als Provision zu, zusätzlich zu seinem Gehalt.
Der Leichenpräparator von Hagens hatte von 1978 bis 1998 am Anatomischen Institut der Universität Heidelberg gearbeitet. Von seiner "Körperwelten"-Ausstellung hat sich die Hochschule distanziert. Dem Plastinator war vorgeworfen worden, wissentlich Leichen von Hinrichtungsopfern für seine Ausstellung verarbeitet zu haben. Er hat dies stets bestritten. (APA/red)
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