Alles offen: Färöer-Wahlen endeten mit Überraschung
- Liberale erlitten Schlappe - Parteichefs wollten nach Wahlnacht Ergebnis überschlafen
Die Wahlen zum Autonomie-Parlament auf den zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln haben in der Nacht auf Mittwoch mit einer Überraschung geendet. Größter Verlierer war dabei die bisher größte Oppositionspartei, die Liberalen, die einen ihrer acht Sitze im 32-sitzigen Inselparlament (Lögting) abgeben müssen.
Die bisher ebenfalls oppositionellen Sozialdemokraten gewannen nur im Zehntelprozentbereich dazu und werden ihren Mandatsstand von sieben halten. Die Verluste der beiden größten Parteien der Regierungskoalition, "Folkeflokken" und Republikaner, hielten sich dagegen in Grenzen. Damit gibt es derzeit keine offensichtliche Regierungskonstellation.
Die Parteichefs wollten laut einer Meldung der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau das Ergebnis nach der anstrengenden Wahlnacht erst überschlafen, bevor sie Überlegungen über eine mögliche Regierungszusammenarbeit anstellen wollten.
Die vorgezogenen Wahlen waren notwendig geworden, nachdem den bisherigen Regierungschef Anfinn Kallsberg von "Folkeflokken" eine 25 Jahre alte Finanzaffäre eingeholt hatte. Die Republikaner hatten ihm im Dezember daraufhin die Unterstützung entzogen.
Die bisherige Regierungskoalition war ein Zusammenschluss jener Kräfte, die sich gezielt für die volle Unabhängigkeit der Färöer von Dänemark einsetzen. Eine Fortsetzung dieser Koalition ist nach dem Wahlergebnis von Dienstag rechnerisch weiter möglich. Zumindest unter Kallsberg gilt eine Neuauflage aber als unwahrscheinlich.
Die zwischen Schottland und Island gelegene Inselgruppe zählt 47.000 Einwohner und gehört seit 1380 zu Dänemark, das den Färöern 1948 weitgehende Autonomie gewährte. Kopenhagen ist aber weiterhin für Außenpolitik, Militär und Polizei sowie die staatliche lutherische Kirche zuständig. Die Bewohner sprechen neben Dänisch ihre eigene, aus dem Altnordischen hervorgegangene Sprache. Fischfang ist der Haupterwerbszweig der Inselbewohner. (apa)
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