Vor-Wahlkampf in USA: Kerry siegt mit 38% in Iowa
- Favorit Dean nur auf Platz 3! Gephardt wirft Handtuch
- PLUS: Ex-US-Präsident Jimmy Carter hilft Howard Dean!
·US-Wahl '04
Ex-US-Präsident Carter hilft Dean
·Bush unbeliebt
US-Präsident stürzt in den Umfragen ab
Der Vor-Wahlkampf hat begonnen! Auch wenn die US-Präsidentenwahl erst am 2. November stattfindet, rollt die Maschinerie bereits jetzt an. Die ersten offiziellen Vorwahlen der Demokraten in Iowa sind geschlagen: Überraschend klarer Sieger ist der US-Senator John Kerry mit 38%. Zweiter wurde Senator John Edwards mit 32%. Weit abgeschlagen auf Platz drei: Der ehemalige Gouverneur von Vermont, Howard Dean mit nur 18%. Er galt eigentlich als Favorit.
Der lange Zeit als Außenseiter gehandelte John Kerry hat im US-Bundesstaat Iowa die ersten Vorwahlen klar für sich entschieden. Der Politiker aus dem Bundesstaat Massachusetts gewann die Delegiertenabstimmung auf den Parteiversammlungen (Caucuses) in Iowa am Montag klar. Zweiter wurde Senator Edwards, dritter der frühere Gouverneur von Vermont, Dean. Der Abgeordnete Gephardt landete weit abgeschlagen auf Platz vier und zog seine Kandidatur bereits zurück. 1988 hatte er die dortige Vorwahl noch klar vor dem späteren Kandidaten Michael Dukakis gewonnen.
Nach Auszählung der Stimmen aus 98 Prozent der Ortsbezirke entfielen auf Kerry 38 Prozent, Edwards erreichte 32 Prozent vor Dean mit 18 Prozent. Gephardt kam lediglich auf elf Prozent. Der Abgeordnete Dennis Kucinich aus Ohio erhielt nur ein Prozent der Stimmen; dem vor allem bei jugendlichen Wählern beliebten Politiker waren von vornherein nur geringe Chancen eingeräumt worden.
Kerry wird damit auf dem Wahlparteitag vom 26. bis 29. Juli 20 Delegierte aus Iowa hinter sich haben. Edwards folgt mit 18 und Dean mit sieben Stimmen. Dean galt bisher als Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Er stützte seinen Wahlkampf vor allem auf Kritik an der derzeitigen Regierung von Präsident George W. Bush und am Golfkrieg.
Noch nicht ins Rennen eingestiegen ist der ehemalige General Wesley Clark. Er nimmt erst ab den Vorwahlen in New Hampshire am 27. Jänner teil. Gleiches gilt für Joseph Lieberman.
Die Demokraten hätten in Iowa den Anfang vom Ende der Präsidentschaft Bushs markiert, sagte Kerry. "Wir kommen und ihr geht! Passt auf, dass Ihr Euch dabei nicht an der Tür stoßt!", erklärte Kerry vor jubelnden Anhängern an die Adresse der Republikaner gerichtet. Er setzte in seinem Wahlkampf insbesondere auf seine außenpolitische Erfahrung und kritisierte - nach anfänglicher Zustimmung - den Irak-Kurs von US-Präsident George W. Bush, der als republikanischer Kandidat wohl kaum Gegenwind aus seinem Lager bekommen dürfte. Der Vietnamkriegs-Veteran und Yale-Absolvent kündigte an, auch die in der kommenden Woche anstehenden Vorwahlen im Staat New Hampshire gewinnen zu wollen. In jüngsten Umfragen hatten Kerry, Dean, Edwards und Gephardt in Iowa nahezu Kopf an Kopf gelegen, die Abstimmung war daher so spannend wie seit 16 Jahren nicht mehr.
Ein ebenfalls überraschendes Ergebnis konnte Edwards erzielen. Auf den 50-jährigen Millionär und Senator von North Carolina entfielen 32 Prozent der Stimmen. Er hatte sich im Wahlkampf nicht an den Verbalattacken beteiligt, mit denen sich die anderen Kandidaten gegenseitig in ein schlechtes Licht rücken wollten. Dean und Gephardt dürfte hingegen geschadet haben, dass sie eindeutig auf einen aggressiven Wahlkampf gesetzt hatten, in dem sie ihre Konkurrenten hart angingen. Dean wollte sich jedoch noch nicht geschlagen geben. "Wir werden nicht aufgeben", sagte der Ex-Gouverneur von Vermont. "Wir haben erst mit dem Kampf begonnen."
Gephardt wird nicht nach New Hampshire reisen. Er hat nach dem für ihn enttäuschenden Abschneiden das Handtuch geworfen. Vor hunderten treuer Anhänger verkündete Gephardt am Montagabend (Ortszeit) sein Ausscheiden aus dem Kandidatenrennen. Damit sind noch sieben Bewerber im Rennen um die Nominierung des demokratischen Präsidentenkandidaten. "Der Kampf geht weiter", sagte Gephardt. "Ich gratuliere den anderen Kandidaten. Einer wird gewinnen, und ich werde ihn in jeder Hinsicht unterstützen."
Parteiversammlungen (Caucuses) wie in Iowa werden nur noch in wenigen US-Staaten praktiziert. In den meisten anderen Staaten finden, wie in New Hampshire am 27. Jänner, Vorwahlen (Primaries) statt. Dabei entscheiden alle Parteimitglieder - also nicht nur die Delegierten - über die Kandidaten. Entsprechend der Ergebnisse der einzelnen Bewerber bei den Parteiversammlungen und Vorwahlen verteilen sich die Delegierten, die auf den Wahlparteitagen dann endgültig den Kandidaten küren. Die Präsidentschaftswahl findet am 2. November statt. (APA)
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