75.Geburtstag: Altkanzler Fred Sinowatz feiert
- Legendär: "Es ist alles sehr kompliziert"
- Sinowatz bildete Koalition mit prä-Haider-FPÖ und übergab Macht an Vranitzky

Seinen 75. Geburtstag feiert am 5. Februar der sozialdemokratische Altbundeskanzler Fred Sinowatz. 1983 bis 1986 stand er an der Spitze der ersten rot-blauen Koalitionsregierung, oftmals zitiert wird ein nahezu schon legendärer Ausspruch: "Es ist alles sehr kompliziert."
Der promovierte Historiker lebt zurückgezogen in seiner Heimat im Burgenland. In seinem von randvollen Bücherregalen dominierten Haus in Neufeld an der Leitha widmet er sich historischen Studien.
Sinowatz, geboren am 5. Februar 1929, begann seine politische Karriere 1961 als Landesparteisekretär im Burgenland, 1966 trat er als Landesrat in die burgenländische Landesregierung ein. 1971 erfolgte der Wechsel als Unterrichtsminister nach Wien in die Regierung Bruno Kreiskys. Nach dem Rücktritt von Hannes Androsch stieg er zehn Jahre später, im Jänner 1981, auch zum Vizekanzler und später zum stellvertretenden Parteivorsitzenden auf.
Bei der Nationalratswahl 1983 verlor die SPÖ dann nach 13 Jahren Alleinregierung die absolute Mehrheit. Für Kreisky das Signal zum Abschied: Er überließ es Sinowatz, als Bundeskanzler mit den Freiheitlichen eine Koalition zu bilden, zwei Jahre später wurde Sinowatz auch SPÖ-Vorsitzender.
Das Ende der politischen Laufbahn wurde 1986 mit der Wahl Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten eingeläutet. Am 9. Juni, einen Tag nach dem Urnengang, bei dem der SPÖ-Kandidat Kurt Steyrer unterlegen war, übergab Sinowatz die Kanzlerschaft an Franz Vranitzky. Der Grund für den Rücktritt sei aber nicht allein die Wahlniederlage der SPÖ gewesen, sagte er kürzlich. Vielmehr habe er einen Wechsel für notwendig erachtet: Die achtziger Jahre seien "Jahre des Übergangs" gewesen, es sei notwendig gewesen, eine "neue politische Linie, mehr dem Zeitgeist entsprechend," zu finden.
Der Präsidentschaftswahlkampf 1986 überschattete aber das Leben von Sinowatz über seine politische Karriere hinaus: Er wurde in der Causa "Waldheims braune Vergangenheit" rechtskräftig verurteilt. Im Noricum-Politikerprozess ebenfalls angeklagt, wurde er in dieser Causa hingegen freigesprochen. Später bezeichnete er die Prozesse als Ereignisse, die schwierig gewesen seien. "Aber auch das möchte ich nicht missen, auch da habe ich viel gelernt."
(apa, red)
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