Mittwoch, 21. Jänner 2004

Kaprun-Finale: Anwälte kritisieren Anklägerin heftig

  • Anwälte: "Auf dieser Anklagebank sitzen keine Schuldigen"
  • Staatsanwältin: "Niemand hat bei mir jemals interveniert"

Der Kaprun-Prozess ist praktisch beendet: Am 21. Jänner wurden die letzten Plädoyers gehört, jetzt ist es an Richter Manfred Seiss, ein Urteil zu fällen. Die Verteidiger griffen noch einmal Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat an, diese wunderte sich im Gegenzug, warum die Kritk nicht schon früher ihr gegenüber Erwähnung gefunden hatte.

"Weder die Firma Siemens noch eine andere Weltfirma oder das Justizministerium haben jemals bei mir interveniert. Ich hätte niemanden deshalb nicht angeklagt, weil er interveniert hat", stellte Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat zu den Aussagen von Anwalt Peter Lechenauer in seinem Plädoyer fest.

Das Ermittlungsverfahren nach der Katastrophe "war im Vorfeld nicht so, wie man es sich gewünscht hätte", sagte Rene Musey, Verteidiger eines 35-jährigen Mitarbeiters der Firma Swoboda. Es wäre das Bestreben gewesen, dass so rasch wie möglich ein Ergebnis herbeigeführt werde. "Manchen Dingen von Relevanz wurde kein Augenmerk geschenkt." So hätte beispielsweise der Heizstern gefunden werden können, aber "es wurde nicht einmal gesucht." Es habe "ein Defizit bei der Beweismittelermittlung" gegeben - "jetzt weiß man es besser, man hätte es besser machen können", so Musey.

Der Verteidiger wies ebenfalls die in der Anklage erhobenen Vorwürfe auf Grund der Sachverständigen- und Gutachteraussagen zurück und meinte unter anderem: "Frau Staatsanwältin, Sie werfen vor, dass die Türen nicht von innen geöffnet werden konnten. Was hätten Sie gesagt, wenn dem so ist und irgendjemand hätte die Türen von innen auf der Brücke geöffnet und viele Menschen wären in die Tiefe gestürzt". Musey warf der Staatsanwältin vor, in ihrem Plädoyer erneut Anklage erhoben zu haben. "Mein Mandant ist nicht schuldig und es ist die Pflicht, ihn freizusprechen", schloss der Verteidiger.

Die Staatsanwältin "hat von Anfang an alle Argumente, die für die Beschuldigten sprachen, ignoriert, weil die Beschuldigten für sie als Beschuldigte feststehen", kritisierte Wilfried Haslauer, Anwalt des verantwortlichen Leiters der Bahn. Die von Danninger-Soriat erhobenen Vorwürfe seien "ohne Substanz" und enthielten "unglaubliche Behauptungen". (APA/red)

21.1.2004 10:19