Mittwoch, 21. Jänner 2004

Vor Gericht: Villacher Polizist "testete" Medikamente an Kollegen

  • Kollegen Medikament in Kaffee gemischt
  • Angeklagter bekannte sich "in eingeschränkten Maße" schuldig

Am Landesgericht Klagenfurt wurde am Mittwoch der Prozess gegen einen Villacher Polizisten fortgesetzt. Dem 36- jährigen, derzeit suspendierten Beamten wird absichtliche schwere Körperverletzung vorgeworfen. Er hat laut Anklage zehn Kollegen ein Medikament in den Kaffee gemischt.

Zum Unterschied zur ersten Verhandlung im Sommer, als er jede Schuld von sich wies, bekannte sich der Angeklagte "in eingeschränktem Maße" schuldig. Ob es heute ein Urteil geben wird, ist noch offen.

Etwa ein Jahr lang klagten Beamte im Wachzimmer Landskron der Villacher Polizei immer wieder über rätselhafte Müdigkeitsanfälle, Übelkeit und Sehstörungen. Die Vorfälle ereigneten sich immer dann, wenn Kaffee getrunken wurde, und immer dann, wenn der jetzt angeklagte Kollege im Dienst war. Am 20. Juni 2003 flog die Affäre auf, weil einer seiner Kollegen wegen der ständigen Beschwerden zum Arzt ging. Dieser machte eine Blutuntersuchung und fand Spuren von Drogen und Medikamenten.

Bei der ersten Verhandlung am 19. August hatte sich der Polizist nicht schuldig bekannt. Er gab lediglich zu, Beruhigungsmittel in den Verteiler der Kaffeemaschine gegeben zu haben. "Und zwar für mich selbst", sagte er. Am Mittwoch gab der Angeklagte zu, in vier Fällen das Medikament Nozinam dem Kaffee seiner Kollegen beigemischt zu haben.

Gegen den Villacher Polizisten wird derzeit in einer zweiten Causa ermittelt. Er steht auch im Verdacht, in einen Übergriff im Villacher Polizeigefangenenhaus vor sieben Jahren verwickelt zu sein. Ende Dezember 1996 war der damals 27 Jahre alter Kärntner Ewald St. mit einem lebensgefährlichen Schädel-Hirn-Trauma in der so genannten Tobzelle aufgefunden worden. Nur dank einer Notoperation überlebte er, hat aber noch immer an den Folgen zu leiden. (apa)

21.1.2004 09:58