Mittwoch, 14. Jänner 2004

Steuerreform: Großer Wurf für große Bosse

  • Gewinner: Sekt-Fans, Konzerne, Bauern & Alleinverdiener.
  • Wer durch die Finger schaut: Kleinstverdiener, Selbständige.

Steuerreform: Wie viel Sie ab 1. Jänner 2005 wirklich mehr im Geldbörsel haben werden – und warum Reiche das Steuer-Filetstück kriegen.

In diesen Tagen glühen vom Boden- bis zum Neusiedler See wieder die Taschenrechner. Ähnlich wie bei der Pensionsdebatte rechnet die Nation wieder fieberhaft, was die Ende vergangener Woche mit großem Getöse präsentierte Steuerreform 2005 jedem Einzelnen bringen wird. Die Regierung lobt „die größte Steuerreform aller Zeiten“ (Karl-Heinz Grasser), Opposition, ÖGB und Arbeiterkammer nennen sie „eine große Enttäuschung“ (Fritz Verzetnitsch).

Kein „Bierdeckel-Tarif“. Dem Normalbürger fehlt – noch – der Überblick, denn die Steuerrechnung Neu ist leider ähnlich kompliziert wie die Steuerrechnung Alt. Der von Finanzminister Karl-Heinz Grasser beschriebene Bierdeckel, der angeblich ausreicht, um die zukünftigen Steuern auszurechnen, bedarf auf alle Fälle kräftiger Unterstützung durch einen leistungsfähigen Taschenrechner. Karl Bruckner, Steuerexperte der BDO Auxilia: „Die große Steuervereinfachung ist nicht erfolgt. Für Einkommensbezieher ist das System großteils dasselbe wie vorher, nur die allgemeinen Absetzbeträge sind weggefallen.“

Kernstück der Steuer Neu sind die neuen Progressionsstufen, die ab 2005 gelten werden. Wie bisher zahlen Bezieher von Jahreseinkommen unter 10.000 Euro keine Steuern. Bemessungsgrundlage ist das Bruttomonatsgehalt mal 12, abzüglich Sozialversicherungsbeiträge und anderer Abgaben. Von 10.001– 25.000 Euro Jahreseinkommen werden 23 Prozent Lohnsteuer fällig, von 25.001 bis 51.000 Euro 33,5 Prozent, für darüber liegende Einkommen gilt der unveränderte Spitzensteuersatz von 50 Prozent. Bruckner: „Der sehr hohe Steuersatz für Besserverdiener wurde nicht verändert. Das kann dem Standort Österreich noch schaden. Daran ändert auch die an sich gute Senkung der Körperschaftsteuer nichts.“

Kritiker sehen die Versprechen von Finanzminister und Bundeskanzler naturgemäß weniger rosig. NEWS bringt die wichtigsten Kritikpunkte:

  • Werden „alle entlastet“? Das mag für jene zutreffen, die steuerpflichtig sind. Doch für jene seit heuer rund 2,5 Mio. ÖsterreicherInnen, die aufgrund ihres geringen Einkommens mit einer Steuerbemessungsgrundlage von jährlich bis 10.000 Euro (entspricht 15.770 Euro brutto) ohnehin bereits steuerfrei sind, gibt es keinerlei zusätzliche Entlastung. Im Gegenteil: „Die Belastungen in Form von Massensteuern auf Energie etc., die mit 1. Jänner 2004 weiter erhöht wurden, belasten gerade die untersten Einkommensschichten proportional höher als Besserverdienende“, sagt Martin Schenk, Sozialsprecher der Diakonie und Sprecher der „Armutskonferenz“.

    Alle Details finden Sie im neuen NEWS
    PLUS: So hoch ist Ihre Steuer
    PLUS: Interview mit Karl-Heinz Grasser über seine Steuerreform und Haider

    14.1.2004 15:20