Mittwoch, 14. Jänner 2004

Auswahl der Jury könnte Jackson-Prozess entscheiden

  • In Santa Maria leben nur wenige Schwarze
  • Rechtsexperten halten Verlegung des Verfahrens für möglich

Während sich die Fans von Popstar Michael Jackson bereits zu Protestkundgebungen versammeln - Foto ansehen - diskutiert die Öffentlichkeit, wie der Prozess ausgehen wird. Der Star muss sich ab 16. Jänner wegen 7-fachen Kindesmissbrauchs vor Gericht verantworten. Experten meinen, besonders die Auswahl der Geschworenen könnte den Jackson-Prozess entscheiden. Da im Bezirk Santa Maria, wo der Prozess abgehalten wird, nur wenige Schwarze leben, könnte das Verfahren an einen anderen Ort verlegt werden.

Mit der formellen Verlesung der Anklageschrift gegen Popstar Michael Jackson beginnt am Freitag in Los Angeles ein komplizierter juristischer Prozess, an dessen Ende eine Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs stehen könnte. Sollte es zu einer Verhandlung kommen, wird wie in den USA üblich ein Geschworenengericht über Schuld oder Schuldlosigkeit des Angeklagten entscheiden. Die Auswahl dieser Jury könnte auf das abschließende Urteil großen Einfluss haben.

Jury muss repräsentativ sein
Nach dem Gesetz hat jeder Angeklagte das Recht, sich vor einer Jury zu verteidigen, die nach Hautfarbe, Alter und Geschlecht repräsentativ besetzt ist. An diesem Punkt könnten die Verteidiger Jacksons nach Ansicht von Rechtsexperten einhaken und eine Verlegung des Prozesses erzwingen.

In Santa Maria leben nur wenige Schwarze
Das Verfahren gegen Jackson soll im Bezirk Santa Maria stattfinden. Dort liegt der Anteil der Schwarzen an der Bevölkerung nach statistischen Angaben jedoch nur bei 2,3 Prozent. Der Anwalt Harland Braun, der nicht in den Jackson-Fall verwickelt ist, erklärte, der Popstar werde ohne Frage vor einer gemischt-rassigen Jury bessere Chancen haben. "Schwarze betrachten ihn immer noch als einen Helden", sagte Braun. "Weiße sehen ihn ihm einen verrückten Typen." Die Verteidigung solle sich daher bemühen, den Prozess in einen Bezirk mit einem höheren Anteil von Minderheiten zu verlegen, wie Los Angeles oder San Francisco.

Verlegung?
Das Argument für eine Verlegung solle aber keinesfalls eine mögliche Diskriminierung auf Grund der Hautfarbe sein. Braun erklärte, er würde sich darauf beziehen, dass Staatsanwalt Thomas Sneddon mit seinen Äußerungen die möglichen Geschworenen in Santa Maria negativ beeinflusst habe. Sneddon war bereits zuvor für sein Verhalten und seine manchmal sarkastischen Kommentare kritisiert worden. So wies er Vorwürfe, die Festnahme sei absichtlich mit der Veröffentlichung von Jacksons neustem Album zusammengefallen mit den Worten zurück: "Als ob der Sheriff und ich solche Musik mögen würden."

"Er hat persönlich zum Ausdruck gebracht, dass er Michael Jackson für schuldig hält", sagte Braun über den Staatsanwalt. "Wenn man den Prozess jedoch nach Los Angeles verlegt, werden die Geschworenen nicht so viel an Sneddon denken."

"Freiwilligen-Jury"
Ein Problem bei der Auswahl der Geschworenen nicht nur im Verfahren gegen Jackson ist, dass das Amt bei vielen nicht sonderlich beliebt ist. So schickt die zuständige Behörde Fragebögen an die möglichen Geschworenen, hakt aber nicht nach, wenn sie keine Rückmeldung bekommt. "Dann wählen die Geschworenen sich selbst aus", erklärte der Anwalt Steve Cron. "Man bekommt eine Freiwilligen-Jury." Unter der spanischstämmigen Bevölkerung seien viele Bauern, die keine Zeit hätten, sich für das Amt des Geschworenen freizunehmen. Die Jus-Professorin Laurie Levenson von der Universität Loyola rechnet angesichts des Publicity-trächtigen Falls allerdings mit einem wahren Ansturm auf die Geschworenen-Listen.

Verteiger-Strategie noch nicht fix
Die Verteidiger Jacksons haben ihre Strategie bisher nicht verraten. Sie erklärten lediglich, ihr Mandant sei schuldlos. Die Anklage gegen ihn sei aus reiner Geldgier erhoben worden. Dem Popstar wird Kindesmissbrauch in mehreren Fällen vorgeworfen. Bei einer Verurteilung droht Jackson eine Haftstrafe bis zu acht Jahren für jeden einzelnen Anklagepunkt. (red, APA)

14.1.2004 12:12

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