Donnerstag, 15. Jänner 2004

Chaos wegen Alitalia-Streik: 364 Flüge in ganz Italien gestrichen!

  • Angestellte der krisengeschüttelten Airline protestierten vor Ministerium
  • Personal droht mit weiteren Streiks im Februar

Wegen eines Streiks der Bediensteten der krisengeschüttelten Fluggesellschaft Alitalia sind am Montag 364 Flüge gestrichen worden. Das Personal der italienischen Airline legte von 10.00 bis 18.00 Uhr die Arbeit nieder. Bei zahlreichen Flügen mussten die Passagiere Verspätungen oder Zeitänderungen hinnehmen. Betroffen waren insgesamt 18.000 Fluggäste.

In Rom wurden 188 Flüge gecancelt, in Mailand waren es 181. Fast leer waren die Flughäfen am Montag. Nur einige Ausländer, die über den Streik nicht informiert waren, warteten Stunden lang in den Hallen auf ihren Flug. Österreich war von dem Ausstand ebenfalls betroffen: Zwei Maschinen der Alitalia - aus Mailand mit ursprünglich geplanter Ankunft um 15.40 Uhr und aus Rom mit geplanter Ankunft um 14.45 Uhr in Schwechat - blieben am Boden.

3.000 Alitalia-Mitarbeiter vor Ministerium
Rund 3.000 Bedienstete der Gesellschaft nahmen am Montag vor dem Sitz des römischen Finanzministeriums an einer Kundgebung gegen den Sanierungsplan Alitalias teil, der die Streichung von rund 2.700 Arbeitsplätzen vorsieht. Die Aktivisten sorgten für Chaos im Stadtzentrum. "Hände weg von Alitalia", lautete der Slogan der Demonstranten, die das Alitalia-Management beschuldigen, die Fluggesellschaft zerstückeln zu wollen. Das Ministerium - und damit der Staat - ist noch Mehrheitsaktionär an der Airline, die in den kommenden Monaten privatisiert werden sollte.

Protest gegen Sanierungsplan
Das Personal protestiert insbesondere gegen Verzögerungen bei den Verhandlungen um den Sanierungsplan. "Das Personal kann nicht allein für den Krisenzustand bei Alitalia zahlen", betonte der Chef des Gewerkschaftsverbands Ugl, Roberto Panella. Die Krise könne nicht mit massiven Personalkürzungen, sondern mit Investitionen bewältigt werden, meinten die Gewerkschaften. Sie kritisierten Fehlbeschlüsse des Alitalia-Managements in den vergangenen zwei Jahren und forderten den Eingriff der Regierung gegen die massivsten Stellenkürzungen seit Jahren bei der Gesellschaft.

Weitere Streiks drohen
Streikaktionen des Alitalia-Personals sind seit Monaten beinahe an der Tagesordnung. Bereits vor zwei Wochen hatte Alitalia wegen eines Fluglotsenstreiks mehr als 300 Flüge streichen müssen. Am Freitag war es zu einer spontanen Demonstration des Alitalia-Personals in Rom gekommen. Ein weiterer Protest im Flugbereich ist am 9. Februar zu erwarten. Die Alitalia-Piloten wollen 24 Stunden lang die Arbeit niederlegen. Am 20. Februar ist ein vierstündiger Streik der Fluglotsen von 12.00 bis 16.00 Uhr vorgesehen. (apa/red)

15.1.2004 13:52