Freitag, 16. Jänner 2004

EU skeptisch: Kritik an US-Idee von "Sky Marshals"

  • Nur wenige Staaten für fallweisen Einsatz der Flug-Aufpasser
  • PLUS: Diese Privat-Daten sammeln die USA über Passagiere!

Geht es nach den USA, sollen bald alle gefährdeten Flüge zwischen Europa und den USA von bewaffneten "Sky Marshals" begleitet werden. Dies stößt bei den meisten EU-Staaten jedoch auf Ablehnung. Bei einem Treffen in Brüssel konnten sich die Vertreter von USA und EU nicht auf eine gemeinsame Linie verständigen. Nur wenige EU-Staaten hätten sich für einen fallweisen Einsatz bewaffneter Flugbegleiter ausgesprochen. Die EU-Seite bezweifle ganz überwiegend, dass diese plötzliche Forderung der USA wirklich den Schutz vor Terroranschlägen verbessere.

Washington wünsche den Einsatz von Sky Marshals in bestimmten Flügen, sagte der Staatssekretär für Grenz- und Verkehrssicherheit im US-Heimatschutzministerium, Asa Hutchinson, vor Vertretern der 15 EU-Staaten und der 10 Beitrittsländer. Im Dezember waren mehrfach Flüge aus Europa in die USA abgesagt worden, weil US-Behörden in den Passagierlisten verdächtige Namen ausgemacht hatten. Bei dem Treffen in Brüssel drohte Hutchinson nach EU-Angaben aber nicht damit, Flügen aus EU-Ländern die Landeerlaubnis zu verweigern, wenn sie nicht die geforderten Polizeibeamten an Bord hätten.

Für den Einsatz solcher Flugbegleiter in bestimmten Risikofällen sprachen sich bei dem Treffen die Vertreter Frankreichs und Großbritanniens aus. Schweden, Dänemark und Finnland waren strikt dagegen. Auch Spanien, Belgien, die Niederlande und Ungarn meldeten nach Angaben von Teilnehmern prinzipielle Bedenken an. Laut Kommission hegen die Länder erhebliche Zweifel, ob ein Polizist an Bord wirklich in letzter Konsequenz eine Flugzeugentführung verhindern könne. Dies berge im Gegenteil die Gefahr, dass ein Terrorist sich der Waffe des Polizisten bemächtige.

Ungelöst ist zudem die Frage, wer die Kosten für Ausbildung und Einsatz der Polizisten trage. Es gehe dabei um mehrere Millionen Euro, meinte der Kommissionssprecher. Bei dem Treffen sei nicht darüber gesprochen worden, ob die USA als Besteller dieser Leistung auch dafür bezahlen könnten. Die EU-Seite bot den Amerikanern an, sie umfassend über Sicherheitskontrollen auf europäischen Flughäfen zu unterrichten. Die Europäer betonten, sie teilten die Sorge der USA über den Terrorismus und unterstützten sie im Kampf dagegen. Die Einseitigkeit der US-Forderung schaffe jedoch große Probleme.

Auf Flügen der israelischen Fluggesellschaft El Al sind seit vielen Jahren Wachleute zum Schutz vor Entführungen an Bord. Auf Verlangen der USA sind dem Vernehmen nach auch bei verschiedenen Transatlantikflügen bereits Sky Marshals an Bord gewesen, die aber in Zivil reisten und deshalb nicht als solche erkennbar sind. (APA/red)

16.1.2004 15:56