Donnerstag, 15. Jänner 2004

Irak: Zehntausende demonstrieren für Wahlen

  • Schiitische Organisationen unterstützen Vorschlag des geistlichen Führers Sistani

Zehntausende haben am Donnerstag in der südirakischen Stadt Basra für eine baldige Direktwahl der künftigen Regierung demonstriert. Die schiitischen Demonstranten unterstützten damit eine Forderung des geistlichen Führers Al Sistani. Der Journalistenverband Reporter ohne Grenzen hat indes die US-Regierung mitverantwortlich für den Tod zweier Journalisten gemacht, die im April ums Leben kamen.

Sistani ist dafür, dass im Irak schnell Wahlen abgehalten werden und die Macht an die Iraker übergeben wird. Die Menge rief: "Ja zu Sistani, nein zu Einsetzungen". Zu der Kundgebung hatte der Vertreter Sistanis in Südirak aufgerufen. Die irakische Polizei überwachte die Demonstration. Hubschrauber der britischen Streitkräfte, die Basra kontrollieren, überflogen die Stadt. Die Demonstration mit rund 30.000 Teilnehmern sei friedlich verlaufen, teilten die in Basra stationierten britischen Streitkräfte mit. Soldaten hätten allerdings am Straßenrand eine selbst gebaute Bombe entdeckt.

Die US-Besatzung will zum 1. Juli die Souveränität an eine irakische Übergangsregierung abgeben, die von regionalen Ausschüssen bestimmt werden soll. Eine Parlamentswahl ist erst für 2005 vorgesehen.

In einem am Donnerstag vorgelegten Sonderbericht sprach Reporter ohne Grenzen von einer "kriminellen Fahrlässigkeit", durch die der Kameramann der Nachrichtenagentur Reuters, Taras Protsyuk, und sein spanischer TV-Kollege Jose Couso bei dem US-Beschuss des Bagdader Hotel Palestine gestorben seien. Zwar sei der Schuss kein gezielter Angriff auf die Medienvertreter gewesen. Doch hätten die US-Soldaten von ihren Vorgesetzten informiert sein müssen, dass zahlreiche Journalisten in dem Hotel Palestine wohnten. Der Verband forderte vom US-Militär eine neue Untersuchung des Vorfalls. (apa)

15.1.2004 16:10