Dienstag, 13. Jänner 2004

Lindh-Prozess: Zeugin schildert Mord als "pervers"

  • Täter attackierte Lindh "mit außergewöhnlicher Aggressivität"
  • Mijailovic verweigert Aussage: "Ich kann nicht mehr"

Als wichtigste Zeugin hat eine Freundin der ermordeten schwedischen Außenministerin Lindh am Donnerstag die Tat als "pervers wirkenden" Angriff geschildert. Am zweiten Tag des Prozesses gegen den geständigen Angeklagten Mijailo Mijailovic in Stockholm sagte Lindhs frühere Mitarbeiterin Eva Franchell, der Täter sei bei seinen Messerstichen "mit fürchterlicher Aggressivität" vorgegangen.

Mijailovic verweigerte jede Aussage zur Tat, nachdem er am Vortag den Angriff gestanden, aber jede Tötungsabsicht bestritten hatte. Der Gerichtsmediziner Henrik Druid, der die Leiche obduziert hatte, sagte aus, die 46-jährige Lindh sei von sieben oder acht Messerstichen in Bauch, Brust und Arme getroffen worden. Den Tod führte dabei ein Stich in die Leber herbei. Ein anderer Stich in einen Arm sei mit solcher Kraft geführt worden, dass das Messer den Knochen glatt durchschlagen habe. Für die Anklage sind die beiden Zeugenaussagen von großer Bedeutung, da sie nachweisen will, dass Mijailovic die Ministerin vorsätzlich tötete.

Juristische Experten erklärten nach der nur eineinhalbtägigen Verhandlung, die Aussage des als psychisch gestört geltenden und drei Mal vorbestraften Mijailovic sei sehr lückenhaft gewesen und lasse entscheidende Fragen offen. Vor allem mit Blick auf die Möglichkeit eines Helfers bei der Flucht unmittelbar nach der Tat gebe es widersprüchliche Angaben.

Bei den am kommenden Montag anstehenden Abschlussplädoyers will Mijailovics Verteidiger, Peter Althin, eine rechtspsychiatrische Untersuchung beantragen. Deren Ausgang gilt als ausschlaggebend für das Ende Februar zu erwartende Urteil. Experten waren fast einhellig der Meinung, Mijailovic werde entweder zu lebenslanger Haft oder zu Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Station verurteilt. (apa)

13.1.2004 22:17