Umstrittene Neuorganisation mit 18 statt sieben Fakultäten
- Studentischer Mitbestimmung wurde mit dem UG 2002 abgeschafft
- Organisationsplan betrifft vor allem Gliederung
Die von den Studentenvertretern heftig bekämpfte, vom Rektorat der Universität Wien geplante und mittlerweile vom Senat abgesegnete Neuorganisation der größten Hochschule des Landes sieht 18 statt bisher sieben Fakultäten vor. Gleichzeitig sollen die Hierarchien flacher werden.
Statt den bisher drei Organisations-Ebenen Rektor, Fakultäten, Instituten sollen künftig mit Rektorat und Fakultäten nur mehr zwei existieren. Nichts zu tun hat der Organisationsplan allerdings mit dem Ende der Mitbestimmung, die von den Studenten kritisiert wird. Diese wurde mit dem neuen Universitätsgesetz (UG) 2002 abgeschafft. Selbst ohne organisatorische Änderung hätten die Studiosi nur mehr im Senat ein verbrieftes Mitspracherecht. Im Organisationsplan wird den Studenten allerdings zusätzlich eine Mitsprachemöglichkeit bei der Studien- und Lehrorganisation eingeräumt.
Derzeit gliedert sich die Uni Wien in die katholisch-theologische, die evangelisch-theologische, die rechtswissenschaftliche, die human- und sozialwissenschaftliche, die geistes- und kulturwissenschaftliche sowie die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Informatik und die Fakultät für Naturwissenschaften und Mathematik. Die Medizin als bisher achte Fakultät wurde mit Jahreswechsel durch das UG 2002 in eine eigene Universität ausgegliedert. Daneben existieren noch vier überfakultäre Zentren.
Unverändert bleiben nach den Plänen des Rektorats künftig nur die beiden theologischen sowie die rechtswissenschaftliche Fakultät. Daneben sollen Fakultäten für "Wirtschaftswissenschaften", "Informatik", "Philosophie und Wissenschaftstheorie", "Sozialwissenschaften", "Psychologie", "Erziehungswissenschaft und pädagogisch-wissenschaftliche LehrerInnenbildung", "Mathematik", "Physik", "Chemie", "Geowissenschaften, Geographie und Astronomie", "Biologie", "Molekulare Zellbiologie" und "Gesundheitswissenschaften (Arzneimittelwissenschaften, Ernährungswissenschaften, Sportwissenschaften)" sowie eine "historisch-kulturwissenschaftliche" und eine "philologisch-kulturwissenschaftliche" Fakultät entstehen. Daneben soll es als weitere Organisationseinheiten ein Zentrum für Übersetzen und Dolmetschen und ein überfakultäres Zentrum für Innovation geben.
Als Ansprechpartner für die Studierenden in studienrechtlichen und studienorganisatorischen Belangen soll es Studienprogrammleiter geben, die u.a. die Aufgaben der derzeitigen Prüfungsreferate übernehmen werden. Diese Studienprogrammleiter sollen jeweils über Beiräte verfügen, in denen die Studierenden laut Organisationsplan in studien- und lehrorganisatorischen Fragen mitbestimmen können.
Die von Rektor Georg Winckler Anfang November vergangenen Jahres vorgelegte Neuorganisation hätte nach den Vorstellungen des Rektorats bereits mit Jahreswechsel in Kraft treten sollen. Nach anfänglichem Widerstand des Senats wurde dann nur ein provisorischer Organisationsplan beschlossen, die endgültige Neustrukturierung soll nach der nun erfolgten Zustimmung des Senats nun mit Beginn des Sommersemesters in Kraft treten.
Änderungen bzw. Verbesserungen in der Mitbestimmung sind allerdings ausgeschlossen. Denn bisher klassische Gremien der studentischen Mitsprachemöglichkeiten wie Fakultätskollegien, Institutskonferenzen und Studienkommissionen gibt es laut UG 2002 gar nicht mehr. Was notwendig sein wird, ist eine Änderung des Hochschülerschaftsgesetzes. So muss etwa geklärt werden, was mit den bei den letzten Hochschülerschaftswahlen gewählten Studentenvertretern - etwa jenen der Fakultätsvertretung - passiert, wenn es die Fakultät nicht mehr gibt. Auch die studentische Vertretung auf neuen Organisationseinheiten wie Fachbereichen an anderen Unis muss geklärt werden. (apa, red)
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