Donnerstag, 15. Jänner 2004

Kindesentführung: Syrer zu 15 Jahren Haft verurteilt

  • Angeklagter legte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein

Zu 15 Jahren Haft ist am Freitag ein zuletzt in Bayern wohnhafter syrischer Staatsangehöriger wegen des Verbrechens der erpresserischen Entführung am Innsbrucker Landesgericht verurteilt worden. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass der 34-jährige Biomediziningenieur im Vorjahr eine siebenjährige Schülerin in Innsbruck in sein Auto gezerrt hat, um 2,5 Millionen Euro Lösegeld zu fordern.

Das einstimmige Urteil war vorerst nicht rechtskräftig. Der Angeklagte legte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein. Burhan A. soll laut Anklage am 9. Jänner 2003 das Mädchen auf dem Weg zur Volksschule Allerheiligen mit Gewalt in den Kofferraum seines Kombis gesteckt haben. Anschließend fuhr er mit seinem Opfer über den Zirler Berg in Richtung der deutschen Grenze.

Als er kurz vor Seefeld zu einer Unfallstelle gekommen war, geriet er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auf Grund der anwesenden Exekutivbeamten in Panik und ließ die Schülerin in Leithen wieder frei. Noch am gleichen Abend wurde der Syrer festgenommen. In seinem Computer wurde später ein Erpresserbrief mit einer Lösegeldforderung von 2,5 Millionen Euro entdeckt. Zudem wurden in der Garage Reste einer bereits abgebauten schalldichten Zelle sichergestellt.

Staatsanwalt Wilfried Siegele ging davon aus, dass der Beschuldigte die Entführung gezielt vorbereitet hatte. Als Motiv kam für ihn die Finanzierung eines neuen Mercedes in Frage. Für Siegele bestand kein Zweifel, dass er sein Opfer nur aus Angst vor der Gendarmerie und nicht freiwillig freigelassen hat. Der bereits zwei Mal wegen Diebstahls verurteilte Burhan A. bekannte sich im Laufe der Verhandlung "teilweise schuldig". Während des Prozesses gestand der verheiratete, kinderlose Mann erstmals die Erpressung. (APA)

15.1.2004 22:07