Donnerstag, 15. Jänner 2004

Seit gestern Nachmittag: Studenten besetzen Uni Wien!

  • Etwa 250 Studenten beteiligt - 17 h begann Schlusskundgebung
  • 100 Aufgebrachte blockierten Ringstraße; PLUS: Abstimmung!

Aufregung an der Universität Wien: Am Donnerstag haben 200 bis 250 Studenten Rektoratsräume und den Sitzungssaal besetzt. Die Rektoratsräume sind heute früh von den Studierenden verlassen worden, der Senats-Saal soll bis heute Abend weiter besetzt bleiben. Um 17 Uhr startete die Abschlusskundgebung der Protestierenden. Zwischen 14.57 und 15.02 Uhr blockierten etwa 100 Studenten darüber hinaus die Wiener Ringstraße. Nach fünf Minuten zogen sie jedoch so schnell ab wie sie gekommen waren.

SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal erklärte sich derweil mit den Besetzern solidarisch und merkte an, die Unis könnten nicht "Privateigentum der Rektoren" werden.

Senat musste kurzfristig "umziehen"
Die Räume der Universität waren am Donnerstag gegen 16 Uhr von rund 200 bis 250 Studierenden besetzt worden. Der gleichzeitig tagende Senat im Senatssitzungssaal wechselte daraufhin in einen anderen, unbesetzten Teil des Rektorats der Uni Wien und setzte seine Diskussionen über den umstrittenen Organisationsplan fort. Bei der Besetzung wurden mehrere Türen aufgebrochen und beschädigt, die ÖH hat sich mittlerweile bereit erklärt, für den Schaden aufzukommen.

Protest gegen Organisationsplan des Rektors
Die Hochschülerschaft unterstützt die Aktion, betont jedoch, die Sache nicht zu leiten. Es sei eine spontane Besetzung durch Studenten und keine geplante Aktion gewesen, teilten ÖH-Vertreter mit. Der Hauptkritikpunkt der Demonstration ist der Vorschlag von Rektor Georg Winckler für einen Organisationsplan. Der Plan bedeute das Ende jeder studentischen Mitbestimmung, kritisiert die ÖH.

Angespannte Lage
Anfangs fürchteten die Studenten angesichts eines relativ großen Polizeiaufgebots eine Räumung, im Laufe des Abends zog sich die Exekutive aber größtenteils zurück. Aufruhr gab es dann noch gegen 23.00 Uhr, als die Senatsmitglieder die Uni Wien unter einem Aufgebot von rund 100 Polizisten verließen. Rund 80 Studenten verbrachten die Nacht im Sitzungssaal und im mittlerweile verlassenen Rektorat B.

Bei der Sitzung ist der Organisationsplan mit 14 gegen vier Stimmen angenommen worden. Von den fünf Studenten im Senat haben laut Uni Wien vier gegen und einer für den Plan gestimmt.

Ausweitung der Proteste?
Ralph Schallmeiner von der Bundes-ÖH verwies auf Solidaritätsbekundungen anderer österreichischen ÖHs und sah die Besetzung als Startpunkt einer über Wien hinausreichenden Protestbewegung. So gebe es auch anderswo Missstände, die Hochschülerschaften an zahlreichen Universitäten hätten bereits ihre Solidarität bekundet.

"Winckler Du Gangster!"
Lautstark untermalt wurde die Pressekonferenz von den versammelten Studierenden. In Sprechchören riefen sie etwa: "Winckler heißt er - uns bescheißt er" oder "Winckler Du Gangster, bald bis Du weg vom Fenster". (APA/red)

15.1.2004 17:06