Freitag, 9. Jänner 2004

Finanz-Skandal: Flüchtiger Parmalat-Manager verhaftet

  • Der italienische Lebensmittelkonzern steht vor der Zerschlagung
  • Milchriese schuldet 16 österreichischen Banken 120 Mio. Euro

Kein Tag vergeht ohne Aufsehen erregende Entwicklungen bei der Untersuchung um die Insolvenz des italienischen Nahrungsmittel-Konzerns Parmalat. Der seit zehn Tagen flüchtige Parmalat-Manager Giovanni Bonici, dessen Verhaftung - neben weiteren hochrangiger Manager des Konzerns - zu Silvester angeordnet worden war, hat sich am Freitag der Polizei gestellt und befindet sich in der Strafanstalt der Stadt Parma.

Der 36-jährige Manager hatte sich noch einige Tage Zeit genommen, ehe er sich zur Rückkehr nach Italien entschloss, berichteten italienische Medien am Freitag. Bonici wird beschuldigt, im Dienste von Parmalats Firmenchef Calisto Tanzi die Bilanzen der Gruppe gefälscht zu haben.

Ermittlungen gegen 25 Personen
Wegen der Parmalat-Affäre befinden sich neben Tanzi und Bonici weitere sieben Manager in Haft. Insgesamt laufen Ermittlungen gegen 25 Personen, darunter den Co-Chef der Parmalat-Austria, Claudio Pessina. Der Mailänder Sitz der Bank of America wurde am Freitag von der Polizei durchsucht. Laut Ermittlerkreisen suchen die Staatsanwälte Dokumente, die Schwarzgelder des Milchmultis auf Konten der US-Bank bezeugen.

Verdacht der Geldwäsche
Die Ermittler gehen davon aus, dass einige Funktionäre des Geldhauses über die Bilanzfälschungen bei Parmalat informiert waren. Am Donnerstag war in Mailand der Ex-Funktionär der Bank of America, Luca Sala, verhaftet worden. Seine Mailänder Wohnung wurde durchsucht. Die Mailänder Börsenaufsicht Consob ermittelt auch um einen angeblichen "Geheimschatz" des Firmengründers Tanzi, der sich auf Konten der Bank of America befindet könnte. Auch die luxemburgische Justiz leitete wegen des Verdachts der Geldwäsche Ermittlungen gegen das norditalienische Unternehmen ein.

Die EU-Kommission berichtete am Freitag inzwischen, mit der Überprüfung des Dekrets der italienischen Regierung zur Parmalat-Rettung beginnen zu wollen. Die EU-Kommission habe den Text des Dekrets erhalten, berichtete der Sprecher der EU-Kommission, Reijo Kemppinen, nach Angaben italienischer Medien. Die EU will den Erlass prüfen um sicherzustellen, dass es sich nicht um eine wettbewerbsverzerrende staatliche Hilfe für Parmalat handelt. (APA/Red.)

9.1.2004 13:43