Dienstag, 6. Jänner 2004

Milch-Skandal: Parmalat soll Politiker geschmiert haben

  • Vier Banken im Visier der Ermittler
  • Spekulationen über den Verbleib der Schwarzgelder

Der inhaftierte Ex-Finanzchef des insolventen italienischen Nahrungsmittelkonzerns Parmalat, Tonna, hat bei seiner Vernehmung am Dienstag ueber angebliche Schmiergelder berichtet, die der Milchmulti an Politiker bezahlt hatte. "Die Aussagen Tonnas werden überprüft", sagte ein Ermittler nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Parmalats Firmengründer Calisto Tanzi, der sich seit zehn Tagen wegen betrügerischen Bankrotts und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung in Untersuchungshaft befindet, hatte Verbindungen zu christdemokratischen Kreisen in Rom, berichteten italienische Medien.

Am Mittwoch will der mit der Parmalat-Sanierung beauftragte Top Manager Enrico Bondi die Insolvenz für zwei Tochtergesellschaften des Milchkonzerns, Eurolat und Lactis, fordern. Auch für die schwer verschuldete Parmatour, die im Tourismusbereich spezialisierte Parmalat-Tochter, will Bondi den Insolvenz-Status beantragen. Der hohen Schuldenberg, der auf Parmatour lastet, hatte den Parmalat- Finanzskandal im November ins Rollen gebracht.

Die oppositionelle Mitte-Links-Allianz in Rom forderte indes die Regierung Berlusconi zur teilweisen Entschädigung der Sparer auf, die wegen der Parmalat-Insolvenz enorme Verluste erlitten haben. "Die fehlenden Kontrollen der Banken und des Staates koennen nicht auf die italienischen Sparer lasten", sagte der Sprecher der Grünen, Alfonso Pecoraro Scanio.

Auch aus dem Ausland wird Parmalat zunehmend unter Druck gesetzt. Der Milchproduzentenverband in Costa Rica forderte die Zahlung von 300 Millionen Dollar an Schulden, die die Parmalat-Tochter im lateinamerikanischen Land angesammelt hatte. Die Schulden betreffen Lieferungen des Jahres 2000.
(apa)

6.1.2004 21:16