Mittwoch, 7. Jänner 2004

Haiti: Tod bei Demonstration gegen Aristide

  • Polizei schoss gezielt, um die Menge auseinanderzutreiben

Mehrere tausend Menschen haben am Mittwoch in Haiti abermals gegen Präsident Jean-Bertrand Aristide demonstriert. Bei Auseinandersetzungen mit Anhängern der Regierung wurde mindestens ein Mensch getötet, acht weitere Menschen wurden verletzt. Die Protestierenden warfen Aristide Machtmissbrauch und mangelnde Unterstützung für die Armen vor.

Zu Beginn des Protestes wurden mehrere hundert Studenten, die gegen den Präsidenten demonstrierten, von dessen Anhängern angegriffen. Die mit Steinen und Stöcken bewaffnete Menge setzte Fahrzeuge und Autoreifen in Brand, um den auf 15 Kilometer angelegten Protestzug der Regierungsgegner aufzuhalten.

Die Polizei feuerte Warnschüsse und gab dann gezielte Schüsse ab, um die Menge aufzulösen. Nach dem Eingreifen der Sicherheitskräfte wuchs die Zahl der Demonstranten auf mehrere tausend, darunter Mitglieder von Bürgergruppen, Geistliche, Geschäftsleute und Künstler.

40 Prozent der acht Millionen Einwohner in dem Karibikstaat sind unter 18 Jahre alt; Studentenproteste führten bereits 1946 und 1956 zum Sturz des Präsidenten. "Wir haben keine Zukunft", sagte der Demonstrant Rodeny Williams am Mittwoch. "Wir haben keine Angst."

Bereits in den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu Protestaktionen gegen den Präsidenten, bei denen nun insgesamt 43 Menschen ums Leben kamen. Der frühere Priester Aristide wurde 1990 der erste frei gewählte Präsident Haitis und galt als Hoffnungsträger. Ein Jahr später wurde er in einem Militärputsch gestürzt und 1994 mit amerikanischer Hilfe wieder eingesetzt. 1996 trat er ab, da ihm nur eine Amtszeit gestattet war, wurde aber im Jahr 2000 wiedergewählt. Angesichts der schlechten Wirtschaftslage und Korruptionsvorwürfen gegen die Regierung haben sich jedoch viele seiner früheren Anhänger von ihm abgewandt.
(apa, red)

7.1.2004 22:02